"Er trägt so etwas wie Todessehnsucht in sich"

10. Jänner 2002, 09:30
9 Postings

Meinungen und Betrachtungen zum neuen iMac

Apple hat am Montag eine neue Generation seiner iMac Personal Computer vorgestellt. Mit radikalem Design versucht Apple seine Rolle als Innovator im Computermarkt auszubauen. Der neue iMac, der entfernt an eine elegante Schreibtischlampe erinnert, verwendet einen flachen Schirm: Die Kathodenröhre hat bei Apple damit endgültig ausgedient.

"Überfällig"

Die Vorstellung des neuen iMacs, die bereits Stunden vor der Präsentation durch eine Titelgeschichte des aktuellen Time Magazins bekannt gemacht wurde, war nach Auffassung von Branchenexperten überfällig: "Der iMac lag im Sterben. Die Verkäufe gingen dramatisch zurück", sagte Analyst Rob Enderle von der Giga Information Group, die keine Apple-Aktien besitzt. "Sie benötigten etwas, um die Leute wieder als Käufer zu gewinnen."

"Einige von Euch wollten es früher haben"

Im vierten Quartal waren die Verkäufe des iMacs auf 294 000 Stück (276 Millionen Dollar Umsatz) gesunken. Ein Jahr zuvor hatte Apple noch 571 000 Geräte für 593 Millionen Dollar abgesetzt. Wegen der hohen Einkaufspreise für Flachbildschirme in Taiwan hatte Apple den ursprünglich schon für den vergangenen Herbst geplanten Start des neuen iMacs verschoben. "Ich weiß, einige von Euch wollten es früher haben, aber ich glaube, ihr stimmt mir zu, dass sich das Warten gelohnt hat", sagte Jobs.

Ferner liefen

Zu den vorgestellten neuen Produkten gehört auch, neben einem iBook mit 14-Zoll-Schirm (das bisherige iBook hat einen 12-Zoll-Schirm), das letzte Glied der "Digital Hub"-Strategie: iPhoto, ein Gratisprogramm, um die mit Digitalkameras aufgenommenen Fotos leicht speichern, bearbeiten und mit anderen teilen zu können.

Postings

Die WebStandard-Userschaft nahm die Kunde mit gemischten Gefühlen auf. So rief "Roter Baron" um "Hilfe" und bezeichnete – in seinem Posting – den neuen iMac als "Schminktischerl". "Jene Grüne Straßenkatze" kommentierte die Präsentation des neuen Apple wie folgt: "Wahrlich der BMW unter den Computern: teuer, aufgemotzt, voll durch-designt, und nur für eine kleine Gruppe sinnvoll (aber nicht zwingend nötig)."

"Sieht einfach besser aus"

"ratz Fatz" hingegen zeigte sich erfreut und optimistisch: "Der Apple sieht einfach besser aus, alles was 99% der Home-User jemals an Software brauchen ist bereits vorinstalliert und niemand muß sich mit lästigen Outlook-Email-Würmern herumärgern. Egal ob Drucker, Digitalkamera oder Wireless LAN: Kaufen – Auspacken – Anstecken – Funktioniert! Mir persönlich ist diese Qualität auch etwas wert!"

Wille zur Revolution

Ein besonders lesenwerte Vorstellung des neuen iMacs findet sich in der Frankfurter Rundschau. Der Medientheoretiker Konrad Lischka" spürt, dass er weit fort will, dabei vielleicht so etwas wie Todessehnsucht in sich trägt."

Für ihn ist "der Wille zur Revolution ist beim neuen Mac spürbar. Endlich taucht da das so lang vermisste treibende Moment der Computerindustrie wieder auf: das Versprechen. Alles weitere dann in der Zukunft." (APA/dpa/Reuters/Helmut Spudich/red)

Share if you care.