Grapschen und eindeutige Gesten an der Tagesordnung

9. Jänner 2002, 10:56
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Studie: Jede zweite Studentin sieht sich als Opfer sexueller Belästigung

Freiburg - Das Ausmaß der sexuellen Belästigung von Frauen ist nach Ansicht Freiburger PsychologInnen weitaus größer als bisher angenommen. Eine Untersuchung an Studentinnen der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität ergab, dass mehr als die Hälfte der befragten jungen Frauen bereits Erfahrung mit sexueller Belästigung gemacht hat.

"Die Dunkelziffer ist enorm", sagte der Freiburger Psychologieprofessor und Kriminologe Helmut Kury. Nur die wenigsten Fälle würden von den betroffenen Frauen der Polizei oder den ProfessorInnen gemeldet. Die Studentinnen waren gefragt worden, ob sie an der Hochschule oder in ihrer Freizeit sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind.

"Banalbereich" ist groß

Für die Studie, die im Rahmen einer Diplomarbeit entstand und nach Angaben der AutorInnen die erste ihrer Art in Deutschland ist, wurden 311 Studentinnen befragt. 58,1 Prozent gaben an, schon einmal Opfer verbaler oder tätlicher sexueller Belästigung geworden zu sein. "Besonders groß ist der so genannte Banalbereich", sagte Kury. Berührungen an den Brüsten oder Genitalien seien schon fast an der Tagesordnung. 41 Prozent der Befragten gaben an, schon mindestens einmal gegen ihren Willen unsittlich berührt worden zu sein.

Ebenso würden Studentinnen immer wieder mit eindeutigen Gesten konfrontiert. Mehr als 40 Prozent sagten, sie seien von einem Mann in einer Art und Weise beobachtet und verfolgt worden, dass sie Angst bekamen. In den meisten Fällen kannten die Studentinnen die Männer nicht. 27 Prozent der Frauen, so die Studie, haben schon einmal mit einem Mann geschlafen, weil es unmöglich schien, sich gegen dessen Annäherungsversuche zur Wehr zu setzen.

"Diese Zahlen sind alarmierend", sagte Kury. Die Gesellschaft müsse mit dem Thema sensibler umgehen. Die Freiburger Studie sei die erste ihrer Art in Deutschland. "Wenn wir Licht ins Dunkel bringen, können wir das Problem vielleicht entschärfen", meinte der Wissenschafter. (APA)

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