US-Senator: Karsai muss nach Übergangszeit Regierungschef bleiben

9. Jänner 2002, 19:03
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USA bereiten langsfristige Militärpräsenz in Zentralasien vor

Islamabad - Der Chef der afghanischen Interimsregierung, Hamid Karsai, müsse auch nach der sechsmonatigen Übergangsperiode im Amt bleiben, erklärte am Mittwoch der amerikanische Senator Frank Wolf auf einer Pressekonferenz in Islamabad. Wolf gehört der US-Kongressdelegation an, die am Vortag in Kabul mit Karsai konferiert hatte. Er würdigte die "Anständigkeit" des Premiers, der für die ordnungsgemäße Verwendung der internationalen Finanzhilfe gerade stehe.

Karsai wird im Februar zu offiziellen Gesprächen in Washington erwartet. Er erklärte kürzlich, die US-Truppen seien so lange in Afghanistan willkommen, bis alle Terrorstrukturen zerstört seien. Zugleich drückte er seine Sorge über die zunehmende Zahl ziviler Opfer bei Luftangriffen Land aus. Bei einem amerikanischen Bombardement des Dorfes Niazi Qala in der Provinz Paktia am 30. Dezember waren insgesamt 107 Zivilisten ums Leben gekommen.

Die Einsetzung des Paschtunen Karsai als Chef der Übergangsregierung sei das Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung, hatte der pakistanische Afghanistan-Experte Kamran Khan analysiert. Karsai habe mehr Zeit in Pakistan verbracht als in Afghanistan und bediene sich der englischen und der Urdusprache öfter als des Paschtu, sagte Kamran Khan.

Nach einem Bericht der "New York Times" (Mittwoch-Ausgabe), der sich auf amerikanische Militärquellen stützt, bereiten sich die USA auf eine langfristige militärische Präsenz in Zentralasien vor. In Vorbereitung befinde sich ein Luftstützpunkt in Kirgisien, der rund 3000 Mann aufnehmen könne. Gleichzeitig würden zahlreiche Militärexperten nach Usbekistan und Pakistan entsandt. Auch in der südafghanischen Stadt Kandahar, der früheren Taliban-Hochburg, solle eine dauerhafte US-Präsenz gewährleistet sein. (APA)

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