US-Konjunktur: Fed-Gouverneure vorsichtig optimistisch

9. Jänner 2002, 19:22
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Notenbank zeichnet ein eher gemischtes Bild der Zukunft

Frankfurt/Genf - Mehrere Gouverneure der US-Notenbank (Fed) haben sich am Dienstag vorsichtig optimistisch zur US-Konjunkturentwicklung geäußert. Nach den Worten von Fed-Vize-Präsident Roger Ferguson zeichneten die nationalen Konjunkturdaten mittlerweile ein eher gemischtes als negatives Bild. Zugleich warnte er Investoren davor, die Mitteilungen der Fed, die diese nach ihren Sitzungen zu Zinsentscheiden vorlegt, überzubewerten.

Zuvor hatte der Gouverneur der New Yorker Fed, William McDonough, gesagt, die Wirtschaft in den USA stehe kurz vor ihrem Tiefpunkt oder habe ihn bereits erreicht. Auch die Gouverneure der Fed von Philadelphia und Richmond, Anthony Santomero und Alfred Broaddus, sagten, die US-Konjunktur werde Mitte des Jahres allmählich wieder anspringen.

Fed-Vize-Präsident Ferguson sagte am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Genf, es sei derzeit noch zu früh, den genauen Zeitpunkt des Anspringens der Konjunktur in den Vereinigten Staaten vorherzusagen. Im vergangenen Jahr seien die nationalen Wirtschaftsdaten zum gleichen Zeitpunkt aber sehr viel negativer ausgefallen. Die USA befinden sich nach Einschätzung der meisten Experten seit Frühjahr 2001 in einer Rezession. Die US-Wirtschaft war im dritten Quartal 2001 auf das Jahr hochgerechnet um 1,3 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Für das letzte Vierteljahr rechnen Analysten ebenfalls mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Zuvor hatte Ferguson Investoren davor gewarnt, zu viel in die Mitteilungen der Fed zu den konjunkturelle Risiken hinein zu interpretieren. "Ich möchte deutlich machen, dass die Mitteilungen der Fed zu den Konjunktur-Risiken für sich genommen nicht den Kurs der Geldpolitik vorhersagen, sondern vielmehr eine Einschätzung (des Fed-Offenmarktausschusses) künftiger Risiken unterbreitet", sagte er. Einige Analysten halten einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei dem nächsten Treffen der Fed Ende Jänner für möglich. Die Fed hatte im Jahr 2001 den Schlüsselzins in den USA bereits elf Mal um insgesamt 475 Basispunkte auf nun 1,75 Prozent gesenkt, um die US-Konjunktur anzukurbeln.

Auch nach Ansicht des Gouverneurs der New Yorker Fed, William McDonough, zeichnen die derzeitigen US-Konjunkturdaten ein eher gemischtes Bild. "Die jüngsten Konjunkturdaten haben gemischte Signale geliefert", sagte er am Rande einer Bankenveranstaltung in Frankfurt. Die gegenwärtige Rezession in den USA sei nicht sehr tief und in gewisser Weise ungewöhnlich, da die Konsumausgaben und das Verbrauchervertrauen vergleichsweise hoch seien.

Fed-Vize-Präsident Ferguson ist in diesem Jahr zusammen mit William McDonough, Anthony Santomero sowie den Fed-Gouverneuren von Cleveland (Jerry Jordan), Dallas (Robert McTeer) und Minneapolis (Gary Stern) stimmberechtigtes Mitglied des zinspolitischen Ausschusses der Fed.(APA/Reuters)

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