Ungarn verbannt kritisches Programm aus dem Rundfunk

9. Jänner 2002, 11:50
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Hörer konnten sich zu populärer Sendung zuschalten

Die Leitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ungarn hat am Dienstag die Sendung "Beszeljük meg!" (Reden wir darüber) mit sofortiger Wirkung aus dem Programm verbannt. Die populäre Nachmittagssendung, in der sich Hörer telefonisch zuschalten konnten, habe "in mehreren Punkten gegen das geltende Rundfunk-Statut verstoßen", hieß es in einer Mitteilung des Ungarischen Rundfunks, die über die Nachrichtenagentur MTI verbreitet wurde.

Beobachter sehen in der Absetzung des Programms knapp drei Monate vor den Parlamentswahlen eine politische Stoßrichtung. Die Leitung des Rundfunks war durch ein Kuratorium eingesetzt worden, das wie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausschließlich aus Vertretern der konservativen Regierungsparteien besteht. Dieser Umstand wird auch regelmäßig in den Fortschrittsberichten der Europäischen Union beanstandet.

Geleitet wurde die Sendung vom Rundfunk-Journalisten György Bolgar. In ihr konnten sich Zuhörer, auch Kritiker der Regierung, äußern. Bei extremen Meinungsbekundungen steuerte Bolgar gegen.

Sein Programm war schon vor den Parlamentswahlen 1994 abgesetzt worden, als die damalige konservative Regierung daran Anstoß nahm. Sie verlor dennoch die Wahl, und Bolgars Sendung kehrte wieder ins Rundfunkprogramm zurück. (APA)

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