Jugendliche Vorarlbergs für Legalisierung von Cannabis

8. Jänner 2002, 20:53
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Umfrage zu Drogenproblematik

Bregenz - Vorarlberg hat ein schwer wiegendes Drogenproblem, dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Telefon- umfrage. Über ihre "Einstellung zum Drogenproblem" wurden 2024 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger befragt. 40,5 Prozent davon schätzen das Problem als "groß" ein, 23,8 Prozent als "sehr groß".

Die Landesregierung sieht dennoch ihre Drogenpolitik "von der breiten Mehrheit" (Landeshauptmann Sausgruber) akzeptiert. Schließlich stimmen 86,3 Prozent dem politischen Leitgedanken "Therapie statt Strafe" zu, sind 76,9 Prozent mit der Substitutionstherapie durch Methadon einverstanden und lehnen 61,8 Prozent die seit Jahren von Betroffenen und Opposition geforderte kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstsüchtige ab.

Kritik wird an der Umsetzung der Drogenpolitik geäußert: 38,2 Prozent der Befragten halten das Therapieangebot für nicht ausreichend, 45 Prozent fordern mehr Steuermittel für die Therapie-, gar 91,4 Prozent für Präventionsmaßnahmen.

Was Reinhard Haller, Drogenbeauftragter des Landes und Leiter des befragenden Instituts für Suchtforschung, schlicht "wundert". Man müsse die Leute künftig besser informieren, lautet seine Schlussfolgerung.

Bestätigt fühlt sich Gesundheitslandesrat Hans-Peter Bischof (VP) in seiner Politik gegen den "Cannabis-Missbrauch". 66,6 Prozent der Landesbevölkerung lehnen die Straffreistellung des Konsums ab. Ganz anders das Ergebnis bei den Jungen im Lehrlingsalter: 63,2 Prozent sind für den legalen Rauch, 44,3 Prozent haben Cannabis schon probiert. In der gesamten Landesbevölkerung gibt ein Fünftel eigene Hanferfahrungen zu. Annäherungen an die Schweiz, die in ihrem Betäubungsmittelgesetz den straffreien Cannabiskonsum und -anbau ermöglichen will, lehnt Bischof ab: "Wir haben ein vernünftiges Suchtmittelgesetz."

Kritik an Drogenpolitik

Gegenteiliger Meinung ist der frühere Finanz- und Kulturlandesrat Guntram Lins. Der langjährige VP-Politiker und Rechtsanwalt ging beim Hanffest im Dezember in einer brieflichen Grußbotschaft hart mit der Drogenpolitik ins Gericht. Sie sei "weithin gescheitert" und habe ihr Ziel nicht erreicht. Lins forderte die Entkriminalisierung des Cannabiskonsums und die kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstsüchtige nach Schweizer Vorbild.

Im Februar will die Regierung, gestärkt durch Volkes Meinung, ihr neues Drogenkonzept vorlegen. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.2002)

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