Hepatitis C: Endgültige Sicherheit erst nach Erbgut-Untersuchung

9. Jänner 2002, 19:58
posten

Untersuchungen laufen seit Anfang November - Menschliches Versagen als Ursache vermutet

Wien - Letzte Sicherheit, ob sich tatsächlich alle vier Hepatits C-Patienten in der Orthopädie-Abteilung des Wiener Donauspitals im SMZ-Ost infiziert haben, wird erst eine Erbgut-Untersuchung bringen. Das sagte KAV-Vize-Generaldirektor Ludwig Kaspar im Gespräch mit der APA. Die Analyse soll an der Universitätsklinik im Essen durchgeführt werden. Mit einem Ergebnis sei erst in mehreren Wochen zu rechnen, so Kaspar.

Bei dieser Untersuchung werden genetische Fingerabdrücke der Hepatitis-Viren erstellt und miteinander verglichen. Gibt es Übereinstimmungen, so ist ein Zusammenhang zwischen den Infektionen erwiesen. Derzeit weiß man nur, dass es sich in allen Fällen um den Typ 1B der Krankheit handelt. Ein wenig aussagekräftiger Befund: Laut dem Experten Peter Ferenci sind 70 Prozent aller Hepatitis C-Kranken genau mit diesem Virus-Typ infiziert.

Kaspar betonte, dass sowohl das Spital als auch die Magistratsabteilung 15 als Sanitätsbehörde höchstes Interesse an der Aufklärung der Vorfälle hätten. Nur so könne man für die Zukunft weitere Infektionen ausschließen. Die Untersuchungen laufen laut Kaspar bereits seit Anfang November: Zu diesem Zeitpunkt wurde man in der MA 15 auf die ersten beiden Fälle aufmerksam.

"Grobe Organisations- oder Hygienemängel" seien als Infektionsursache jedenfalls auszuschließen, so Kaspar: "Bei den Tausenden orthopädischen Operationen pro Jahr wäre ein regelmäßiger Hygienemangel längst aufgefallen." Kaspar tippt eher auf menschliches Versagen: Ein Arzt oder eine Krankenschwester könnten ein medizinisches Utensil bei mehr als einem Patienten verwendet haben.

Im SMZ-Ost geht inzwischen die "kriminialistische Kleinarbeit" bei der Suche nach der Infektionsquelle weiter, so Ferenci. Klar ist bisher, dass alle vier Patienten zwischen 11. und 14. September des Vorjahres in der Orthopädie des Donauspitals operiert wurden. Bei den beiden zuerst bekannt gewordenen Fällen brach die Krankheit Ende November/Anfang Oktober aus. Bei den zwei weiteren Fällen wurde die Erkrankung Ende Dezember diagnostiziert.

Laut Ferenci und Kaspar werden nun alle Verbandwechsel, Blutabnahmen und Medikamentengaben der vier Patienten abgeglichen, um Hinweise auf den Übertragungsweg zu bekommen. Gewissheit gebe es bereits darüber, dass sich alle vier betroffenen Patienten niemals gleichzeitig in einem Raum befunden haben. Der Ruheraum, in dem sich zwei der Betroffenen zur gleichen Zeit aufhielten, sei als Infektionsort jedenfalls auszuschließen.

Drei der vier Patienten dürften jedenfalls Glück im Unglück gehabt haben. Ferenci: "Eine ist von selbst gesund geworden, zwei befinden sich im AKH und sind bereits Virus-negativ." Der vierte Patient könne dagegen wegen einer anderen schweren Erkrankung noch nicht gegen Hepatitis behandelt werden.

Und auch generell versuchte Ferenci zu beschwichtigen. Von der kolportierten "lebensgefährlichen Hepatits C" könne keine Rede sein. Die Krankheit könne mit Interferon erfolgreich behandelt werden, nur bei vier Prozent der chronischen Hepatitis-Fälle sei mit einer schweren Lebererkrankung zu rechnen. (APA)

Gesundheitstelefon der Stadt Wien: 533 28 28
Share if you care.