Neue U-Bahn: "Alles im grünen Bereich soweit"

8. Jänner 2002, 19:44
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Prototyp-Härtetest beginnt Ende Jänner auf der U4

Wien - Es ist doch etwas anderes, einmal zum Thema U-Bahn sprechen zu können, ohne brennende Scheibenwischermotoren oder ähnlich qualmende Unbill im Untergrund erklären zu müssen: "Alles im grünen Bereich soweit", freut sich Wiener Linien-Sprecher Johann Ehrengruber. "Auch das bisherige Feedback bestätigt uns darin, dass wir bei der neuen U-Bahngarnitur die richtige Entscheidung getroffen haben", resümiert Ehrengruber nach einem knappen Jahr Prototyp-Probefahrt.

Technische Probleme gebe es so gut wie keine. Nur Kleinigkeiten - wie ein Kabel, das sich im Dauerbetrieb löste. Denn anders als bei der Niederflur-"Bim" ULF, bei der einige Probleme überwunden werden mussten, "baut man hier wesentlich mehr auf bekannte Komponenten auf". Beim ULF mit seinem Einzelrad-Antrieb habe man ja "die Straßenbahn neu erfunden".

Bei der neuen U-Bahn ist hingegen vor allem eines neu: Dass man von vorn bis hinten durchmarschieren kann. Und dies komme beim Publikum gut an: Zum Einen weil es die Sitzplatzsuche erleichtere. Und zum anderen, weil man nun nicht mehr partout dort einsteigen muss, wo man dann auch aussteigen will.

Das Mehrzweckabteil

Positives Feedback komme auch zum "hellen, optisch ansprechenden Innenraum". Wie auch zum "Mehrzweckabteil", das nun deutlich mehr Platz biete als früheren Abstellräume beim Einstieg.

Die Sitze sind für einige Fahrgäste bequem. Andere, die sich selbst als nicht gerade - äh - breithüftig bezeichnen, empfinden sie als kleiner. Und dies führt zu ein paar "Kleinigkeiten" die noch geändert werden sollen. Wie die Armlehnen; die seien "von der Reinigung her problematisch und auch vandalismusanfällig". Auch der helle Fußboden sei "schmutzanfällig" und soll daher bei der Serienproduktion dunkler ausfallen. Eines habe man schon jetzt geändert: Die Stufe bei der Türrampe wurde abgeschrägt, was die neue U-Bahn behindertenfreundlicher mache.

Der echte Härtetest für den Prototyp, der bisher nur auf der U3 fuhr, soll Ende Jänner beginnen: Ab da wird die neue U-Bahn auch auf der U4 eingesetzt, die zu einem Gutteil der Strecke im Freien der Witterung ausgesetzt ist.

Die ersten beiden Serienfahrzeuge sollen 2004 ausgeliefert werden. Dann sollen pro Jahr jeweils sechs neue Garnituren dazu kommen. Die werden pro Stück rund 6,5 Millionen Euro (89,4 Mio. S) kosten - und da einige Fahrstände in der Mitte wegfallen, kosten die neuen Garnituren um rund 40 Prozent weniger als die alten "Silberpfeile". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.2002)

Von Roman Freihsl
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