"Ein bisschen Optimismus"

8. Jänner 2002, 18:40
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Nationalratspräsident Fischer bei Palästinenserchef Arafat

Das von den Israelis abgefangene Waffenschiff "ist nicht für uns gewesen", beteuerte Palästinenserchef Yassir Arafat gestern nach seinem Gespräch mit Heinz Fischer auf eine Frage des STANDARD. Österreichs Nationalratspräsident brachte die Affäre, die am Wochenende in die amerikanischen Vermittlungsbemühungen hineingeplatzt war, bei seinem Treffen mit palästinensischen Politikern immer wieder zur Sprache.

Vom Hauptquartier Arafats in Ramallah, wo dieser seit mehr als einem Monat festsitzt, musste Fischer in den Jerusalemer Vorort Abu Dis fahren, um den palästinensischen Parlamentspräsidenten Abu Alla zu treffen - der hatte nämlich umgekehrt keine Genehmigung, um nach Ramallah zu kommen.

"Ein bisschen Optimismus"

"Wie hätte das Schiff denn in Gaza landen sollen, wenn dort der Hafen zerstört ist?", argumentierte Arafat, zudem könne - wegen des schlechten Verhältnisses zu Teheran - doch niemand glauben, "dass die Iraner uns Waffen schicken." Ganz abgesehen von dem "Ereignis mit dem Schiff, das ich nicht aufklären kann", registrierte Fischer, dass "der Druck auf Arafat enorm ist, von den Amerikanern, aber auch wegen der schrecklichen wirtschaftlichen Lage". Die Kontakte zwischen Abu Alla und Israels Außenminister Shimon Peres seien indessen Anlass für "ein bisschen Optimismus".

Abu Alla bestätigte auf eine Frage des STANDARD, schon seit langem mit Peres nach neuen Wegen zu suchen - die Idee sei, "von hinten zu beginnen", also zunächst einen Palästinenserstaat auf beschränktem Territorium auszurufen und danach über die endgültigen Grenzen und weiteren Fragen des permanenten Status zu verhandeln. Abu Alla, einer der Architekten des Oslo-Abkommens, glaubt, dass die palästinische Führung einem derartigen Plan zustimmen könnte, "wenn es feste israelische Garantien gebe".

Nach Fischers Ankunft in Israel am Montag war die geplante Empfangszeremonie im Parlament geplatzt - wegen des Schneechaos blieb die österreichische Delegation an der Einfahrt nach Jerusalem stecken. Beim heutigen Treffen mit Staatspräsident Moshe Katzav will Fischer unter anderem die Frage des fehlenden israelischen Botschafters in Wien anschneiden.

(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 09. 01. 2002)
>STANDARD-Korrespondent Ben Segenreich aus Ramallah
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