CSU nominiert Stoiber

9. Jänner 2002, 07:17
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Duell um Kanzlerkandidatur in der Union ist offiziell eröffnet

Kreuth/Berlin - So dreist wollte er nicht sein und sich selbst nominieren: Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte die für Dienstagmittag angesetzte Pressekonferenz kurzerhand ab und überließ es dem Chef der CSU-Parlamentarier, Michael Glos, ihn auf den Schild zu heben. Glos erklärte am Rande der Klausurtagung in Kreuth, die CSU schlage Stoiber als Kanzlerkandidat der Union vor. Die CSU habe ihre Schwesterpartei CDU offiziell darum gebeten, Stoiber zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten zu machen.

In seiner häufig etwas groben Art wies Glos auf die Vorzüge des CSU-Chefs hin, indem er gleichzeitig Seitenhiebe gegen Stoibers Konkurrentin, CDU-Vorsitzende Angela Merkel, austeilte: "Wir wollen zeigen, was wir anders und was wir besser machen wollen. An der Spitze des Wahlkampfes soll deshalb jemand stehen, der sowohl auf eigene Erfolge als auch auf darauf verweisen kann, dass er in diesen komplizierten Dingen in der Wirtschaft zu Hause ist." Glos betonte, für Merkel wäre nach Stoibers Wahlsieg "sicher ein Platz in der allerersten Reihe frei". Im Gegensatz zu Stoiber hat Merkel noch keine Wahl gewonnen und gilt nicht als Expertin im Bereich Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.

Auf diese Schwerpunkte möchte sich Stoiber im Wahlkampf konzentrieren, kündigte er vor CSU-Abgeordneten an. Warum er sich zur Kanzlerkandidatur entschlossen habe, begründete Stoiber mit der Wirtschaftspolitik der rot-grünen Regierung. Angesichts dieser Misere sei er auch von vielen CDU-Politikern gebeten worden zu kandidieren. Dem wolle er sich nicht entziehen.

Vor Journalisten sandte Stoiber Signale in Richtung Merkel aus, dass er nicht möchte, dass es zu einer Kampfabstimmung um die Kanzlerkandidatur kommt: "Ich gehe davon aus, dass wir einen einvernehmlichen Vorschlag gemeinsam erstellen werden", sagte Stoiber. In der CDU wagte sich als Erster der Fraktionschef im Bundestag, Friedrich Merz, aus der Deckung. Er begrüßte die Nominierung Stoibers. Angela Merkel tauchte am Dienstagnachmittag vorerst einmal ab: Es gab keine Stellungnahme.

(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 09. 01. 2002)
Die kleine Schwesterpartei CSU brachte die CDU in Zugzwang: Mit dem Vorschlag, ihren Parteichef Edmund Stoiber als Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu nominieren, geht der Machtkampf in die nächste Runde. Gibt CDU-Chefin Angela Merkel nicht auf, kommt es zur Kampfabstimmung.
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