Fini wittert seine Chance

9. Jänner 2002, 12:15
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Postfaschisten-Führer möchte als Außenminister in Europa hoffähig werden

Die meisten Bündnispartner Berlusconis sind sich einig: Der Premier müsse ein Interims-Außenminister bleiben. Die Alleanza Nazionale hat mit ihrem Chef Gianfranco Fini auch schon den aussichtsreichsten Kandidaten für die offizielle Ruggiero-Nachfolge offiziell präsentiert.

Fini selbst meinte, wenn man ihn frage, werde er selbstverständlich Ja sagen. Auf die Kritik angesprochen, die seine Vergangenheit in der postfaschistischen Partei in Europa aufwirbeln könnte, meinte Fini trocken, wenn jemand Vizepremier sei, dann könne er doch logischerweise auch Außenminister werden.

Heimlich und leise hat sich der Führer der Postfaschisten in eine gute Ausgangslage gebracht. Er gilt als der politische Kopf der Regierung, hat seine Partei von Rechtsaußen in Richtung Mitte geführt und versuchte in den letzten Monaten hartnäckig, durch einen offiziellen Israel-Besuch international den Durchbruch zu schaffen. Für die Alleanza Nazionale müssen die Nationalstaaten auch im künftigen Europa eine zentrale Rolle spielen; nur wenige Kompetenzen dürften an die EU "delegiert", auf keinen Fall aber abgetreten werden.

Geringere Chancen werden dem Minister Franco Frattini (Forza Italia) zugebilligt; die rechte Hand Berlusconis ist für die Geheimdienste und für den öffentlichen Dienst zuständig. Zahlreiche Koalitionsvertreter stehen Frattini aber ablehnend gegenüber.

Die Parteien der Mitte wiederum forcieren den Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Pierferdinando Casini. Er hat als einer der wenigen im Mitte-rechts-Lager bewiesen, dass er über den Fraktionen stehen kann.

Einzig die Lega Nord genießt die Doppelbelastung Berlusconis. Für Umberto Bossi kann Berlusconi Außenminister bleiben, solange er will. Bossi hatte die Absetzung Ruggieros durchgesetzt.

Eher hilflos reagiert die Opposition. Sie befürchtet die internationale Isolierung Italiens und kritisiert die Europafeindlichkeit der Regierung.

(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 09. 01. 2002)
STANDARD-Korrespondent Andreas Feichter aus Rom
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