"Ziehen sicher nicht aus Graz ab"

9. Jänner 2002, 12:12
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DaimlerChrysler will auch nach Verkauf des Grazer Eurostar-Werkes an Magna weiter auf den Standort Österreich setzen

Detroit - Mit dem praktisch fixierten Besitzerwechsel des Grazer Eurostar-Werks von DaimlerChrysler auf Magna Steyr wird sich manches ändern, grundsätzlich bleibt aber alles wie gehabt. Dies unterstrich Wolfgang Bernhard, nach Dieter Zetsche die Nummer zwei bei Chrysler, am Rande der Detroit Auto Show im Gespräch mit dem STANDARD.

Einerseits werde die eben erst angelaufene Fertigung des nostalgischen Kompaktvans PT Cruiser wieder aus Graz abgezogen, um die erweiterten Kapazitäten im mexikanischen Werk Toluca optimal nutzen zu können. Andererseits zerstreut Bernhard Befürchtungen, die US-Tochter des deutschen Autoriesen DaimlerChrysler würde sich produktionsseitig überhaupt aus Europa verabschieden: "Das wird definitiv nicht geschehen. Der Minivan Voyager und der Jeep Grand Cherokee bleiben in Graz."

Magna Steyr wiederum dürfte derzeit sowohl bei den Entwicklungs- als auch Produktionskapazitäten restlos ausgelastet sein. Denn Chrysler wollte den Grazern eigentlich den neuen Sportwagen Crossfire andienen. Bernhard: "Ich hätte dieses Auto sehr gerne nach Graz vergeben, aber die sind wahrscheinlich momentan zu beschäftigt mit dem BMW X3 (wird in Graz entwickelt und gebaut). " Also läuft der Crossfire ab 2003 beim deutschen Konkurrenten Karmann vom Band.

Neue Modelle

Der mit einer Wienerin verheiratete Chrysler-Topmanager denkt aber bereits weiter. Im Zuge der bevorstehenden Modelloffensive kommen in Bälde fünf komplett neue Automodelle auf den Markt. Die Steirer haben in dem Zusammenhang gute Chancen auf Folgeaufträge, denn "wir werden auch künftig immer wieder in Graz anfragen".

Global gesehen gibt sich Chrysler zuversichtlich, trotz der seit dem 11. September veränderten Rahmenbedingungen wie geplant heuer den Breakeven zu erreichen - "wir sind gerüstet für dieses Ziel". Insider sind ähnlicher Meinung, es sei immer schon so gewesen, dass Chrysler als erster der großen drei US-Hersteller in die Krise hineinrutsche, als erster aber auch wieder herausfahre.

Nur moderate Preisnachlässe

Nicht oder nur mehr sehr moderat mitmachen werde man das ruinöse Preisnachlass-Spiel, das General Motors (GM) und Ford im Vorjahr Milliarden Dollar gekostet habe. Das führe nicht zum Ziel, argumentiert Bernhard. So habe man zwar in den USA Marktanteile verloren - 2001 setzte Chrysler global rund 2,7 Millionen Fahrzeuge ab, etwas über drei Mio. waren es im Jahr davor. Dennoch habe man keine Angst, von Toyota (US-Absatz zuletzt rund 1,7 Mio.) im Heimmarkt auf Rang vier verwiesen zu werden.

Vielmehr wolle man nach der Neuorientierung einerseits die Kernsegmente verteidigen, andererseits mit neuen Fahrzeugen und Konzepten offensiv aus der Krise fahren. "Das geht jetzt Schuss auf Schuss. Nächstes Jahr kommt der Crossfire, dann der sechssitzige Pacifica, der ein ganz neues Segment eröffnen wird. Wir sind voll aufmagaziniert."

Insgesamt sieht Chrysler-Boss Zetsche dadurch in den kommenden "fünf bis zehn Jahren" ein zusätzliches Absatzpotenzial von einer Million Fahrzeugen. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 9.1.2002)

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