Dalai Lama will nicht in einem chinesisch besetzten Gebiet wiedergeboren werden

8. Jänner 2002, 17:32
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Exil-Oberhaupt soll Einflussmöglichkeit auf Zeit und Ort seiner Reinkarnation haben

Neu-Delhi - Der Dalai Lama, Tibets geistliches und weltliches Oberhaupt im Exil, hat angekündigt, dass er nach seinem Tode nicht im besetzten Tibet oder einem anderen Gebiet unter chinesischer Herrschaft wiedergeboren wird. Wenn Tibet zu seinen Lebzeiten nicht mehr befreit werde, finde seine Wiedergeburt in einem anderen Land statt, das frei sei, sagte der 66-jährige 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, am Dienstag in Sarnath im Norden Indiens, wie die indische Presseagentur UNI berichtete. Nach der Lehre des tibetischen Lamaismus hat der Dalai Lama ("Ozean des Wissens") als Reinkarnation des Boddhisattwa Awalokiteshwara Einfluss auf den Ort und die Familie, in der er wieder zur Welt kommt.

Der gegenwärtige Dalai Lama wurde 1935 im Laji-Gebirge südlich von Xining in der chinesischen Provinz Qinghai geboren und im Alter von zwei Jahren als Reinkarnation des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama erkannt und nach Lhasa gebracht. Am 22. Februar 1940 wurde er feierlich inthronisiert.

Über die nach dem Dalai Lama zweithöchste tibetische Autorität, den Pantschen Lama, gibt es Streit. Peking lehnt den vom Dalai Lama als rechtmäßige Wiedergeburt des 1989 verstorbenen 10. Pantschen Lama anerkannten Knaben Gedhun Choekyi Nyima ab und hat einen Gegen-Pantschen-Lama bestimmt. Das UNO-Komitee für die Rechte des Kindes hat von der Volksrepublik bisher vergeblich Zugang zu Nyima gefordert.

Nach der nunmehrigen Ankündigung des Dalai Lama wäre es für das kommunistische China, das Tibet 1951 besetzt hat, praktisch unmöglich, nach seinem Tode den künftigen Dalai Lama zu bestimmen und für diesen Unterstützung im Volke zu finden. (APA/dpa)

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