Was in Park City alles tanzte und gewann

24. Jänner 2002, 22:00
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Sundance, Slamdance, Nodance und ein Online-Wettbewerb

Park City - "Personal Velocity", ein Film über drei Frauenschicksale von Regisseurin Rebecca Miller, hat in Park City (US-Bundesstaat Utah) den Grand-Jury-Preis des Sundance Filmfests gewonnen. Zum besten Dokumentarfilm wählten die Juroren den Streifen "Daughter from Danang" über die Suche eines amerikanisch- vietnamesischen Kindes nach seiner Mutter. In der Kategorie World Cinema, in der auch Ulrich Seidls Film "Hundstage" zu sehen war, siegten Italien ("The Last Kiss") und das nordirische Drama "Bloody Sunday".

Das Sundance-Festival ist seit seiner Gründung durch Robert Redford in den 80er Jahren Amerikas größter Schau- und Marktplatz für unabhängige Filme. In diesem Jahr wurden in dem verschneiten Wintersportort Park City über 170 Spielfilme gezeigt. Jeweils 16 Spielfilme und eben so viele Dokumentarstreifen bewarben sich um die Grand-Jury-Preise.

"Real Women Have Curves"

Der Zuschauerpreis für das beste Drama ging an "Real Women Have Curves", über den Kampf eines mexikanisch-amerikanischen Teenagers gegen alte Traditionen. Als besten Dokumentarfilm wählten die Kinobesucher "Amandala" aus, der die Rolle von südafrikanischen Liedern im Kampf gegen die Apartheid beschreibt. Den Preis als bester Drama-Regisseur holte sich Gary Winick mit "Tadpole", eine Familienstory über einen Teenager, der sich in seine Stiefmutter (Sigourney Weaver) verliebt. Der im preiswerten Digital-Format gedrehte Film ist einer von vielen, der während des elf-tägigen Festivals einen Verleiher und Käufer fand.

Obwohl Sundance ein Festival der "Indie"-Filme ist, unabhängig von den großen Studios produzierten Streifen, waren in diesem Jahr viele Hollywood-Größen vertreten. Brad Pitt begleitete Ehefrau Jennifer Aniston zur Premiere ihres Films "The Good Girl", in dem die TV- Schauspielerin eine untreue Gattin mimt, die ihren drogensüchtigen Ehemann betrügt. Robin Williams, Matt Damon, Ben Affleck und Nicole Kidman stellten alternative Filme vor, und John Malkovich präsentierte mit "The Dancer Upstairs" sein Regie-Debüt.

Slamdance vergab Sparkys

Mit der Vergabe von zehn Sparky-Trophäen war zuvor das Slamdance Festival für alternative Filme zu Ende gegangen.

Als bester Spielfilm wurde Eitan Gorlins "The Holy Land" ausgezeichnet, die Geschichte des jungen Rabbiner-Studenten Mendy, der ins "Heilige Land" Israel kommt, dort jedoch höchst irdische Erfahrungen mit einem amerikanischen Barbesitzer und einer Prostituierten, in die er sich verliebt, macht.

Als beste Dokumentation wurde "My Father, the Genius" von Lucia Small ausgezeichnet, eine Biographie ihres Vaters, des Star-Architekten Glenn Howard Small. Den Spezialpreis der Jury erhielt Mark Moskowitz' "Stone Reader", die autobiographische Suche nach einem unauffindbaren Autor namens Dow Mossman.

Der deutsche Beitrag "Lurch" des Berliner Filmemachers Boris Hars-Tschachotin wurde zum besten Kurzfilm gewählt.

Die Prämisse

Als ergänzendes Gegenfestival zu Sundance, dem größten "Indie"-Festival, dem von den Slamdance-Betreibern zunehmende Mainstreamisierung vorgeworfen wird, versteht sich Slamdance als Premierenfestival für "low budget"- Produktionen von Nachwuchsregisseuren. Seit sieben Jahren findet das Programm zeitgleich mit Sundance am selben Ort statt.

Die Veranstalter verzeichneten diesmal eine Rekordzahl von 2.468 Einsendungen, von denen über 60 Filme vorgestellt wurden. Knapp die Hälfte wurden im preiswerten Digital-Format gedreht. Eine wachsende Zahl an Teilnehmern kommt aus Europa.

Und noch alternativer

Und für die, denen - nicht ohne gewisse Berechtigung - auch "Slamdance" schon zu kommerziell ausgerichtet ist, gab es ebenfalls am selben Ort zur selben Zeit als weitere Alternative das Nodance Festival.

Dort wurde "FinalCut.com" von Raoul W. Heimreich bester Film, "Hip, Edgy, Sexy, Cool," von Robert B. Martin Jr. und Aaron Priest der Publikumssieger, "What Are You Going to do for Toilet Paper," von Ben Thompson & John Grishin die beste Doku, und "The Real Spider-Man: The Making of the Green Goblin's Last Stand" von Dan Poole die liebste Doku des Publikums. (APA/red)

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