Die Österreicher des Pazifiks

17. Jänner 2002, 15:46
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Ein Kommentar von Peter Pilz über die Parallelen zwischen Österreich und Neuseeland

Seit drei Wochen fahre ich kreuz und quer durch Neuseeland. Dabei ist mir eines klargeworden: Die Neuseeländer sind die Österreicher des Pazifiks, so, wie die Kanadier die Österreicher Nordamerikas sind. Das hat folgende Gründe:

Erstens. Die Neuseeländer haben einen großen Nachbarn, zu dem sie dasselbe Verhältnis haben, das wir zu den Deutschen pflegen. Die Eigenschaften, die sie den Australiern zuschreiben, klingen nach dem, was wir von den Deutschen und was die Kanadier von den Einwohnern der USA halten. Niemand mag seinen großen Bruder - und würde nie zugeben, dass er ihn auch ein bisschen beneidet.

Zweitens. Die Neuseeländer halten sich für das grüne Musterland schlechthin. Dass auf alles, was in den Weg wächst, Gift gespritzt wird, dass auf eine rücksichtslose Agrarindustrie gerade 0,4 Prozent Biobauern kommen, dass den Kühen die Schwänze abgeschnitten werden, weil ihr Wedeln beim Melken stört, dass die Strände verhüttelt werden, das hört man hier genausowenig gerne wie in Österreich die Geschichten über die verlogene Anti-AKW-Politik und die stille Entsorgung der Umweltpolitik seit der politischen Wende.

Drittens. Weil die Neuseeländer eine stabile Demokratie haben, kümmern sie sich um sie nicht. Gerade hat das Parlament in Wellington ein Gesetz beschlossen, dass es Parteien erlaubt, eigenen Abgeordneten das Mandat zu entziehen. Kaum jemand regt sich auf, so wie sich in Österreich kaum jemand aufregt, wenn ein Filz verschwisterter Herausgeber fast alle Printmedien kontrolliert.

Viertens. Wie die Österreicher sind die Neuseeländer grundfriedlich. Ihre Luftwaffe haben sie vernünftigerweise abgeschafft. Neutral sie sie wahrscheinlich nur deswegen nicht, weil sie von allem ohnehin zu weit weg sind. Die Neuseeländer verstehen gut, warum die Österreicher keine Lust auf die NATO haben.

Fünftens. Die Namen "Neuseeland", "Kanada" und "Österreich" stehen für drei gleiche Chancen: Drei kleine, reiche und wenig abhängige Staaten könnten von der Ökologie bis zur Sicherheit zeigen, dass es anders besser geht. Alle drei können die Sonderwege gehen, die von den Trampelpfaden der aggressiven Industriegesellschaften abzweigen. Alle drei haben das bis heute nicht versucht. Wahrscheinlich brauchen alle drei eine echte politische Wende.

NACHLESE
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--> Europa gegen Pfingstler
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--> Vor der eigenen Tür
--> Das amerikanische Leben
--> Der Mann am Parlament
--> Jetzt ist Krieg
--> Die letzten Tage des ÖGB
--> Mcweb und Mcnazi
--> Schüssels Hemd
--> Wilde rote Hunde
--> Mitgerastert
--> Lebende Regierungsleichen
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--> "Der Häupl-Dreier"
--> "Eine einfache Schnittstelle"
--> "Die Unschuld der Lämmer"

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für Kommentatoren von außen.
Peter Pilz ist Sicherheitssprecher der Grünen und im Internet mit www.peterpilz.at vertreten.
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