Republika Srpska begeht 10. Jahrestag ihrer Gründung

8. Jänner 2002, 15:26
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International nie anerkannt - Mit Dayton-Vertrag de facto akzpetiert

Banja Luka - Die Republika Srpska feiert am Mittwoch den zehnten Jahrestag ihrer Gründung. Am 9. Jänner 1992 proklamierten die bosnischen Serben diese Gebietseinheit Bosnien-Herzegowinas als unabhängigen "Staat", auch als "vorgreifende und vorauseilende Maßnahme" und Reaktion auf die Bestrebungen der bosnischen Moslems und Kroaten, die Anerkennung seitens der EU und damit die Abspaltung von Jugoslawien zu fordern, wie dies Kroatien und Slowenien bereits vollzogen hatten. Obwohl dieser Beschluss der bosnischen Serben international nie anerkannt wurde, ist die Republika Srpska mit dem Dayton-Abkommen von 1995 de facto akzeptiert worden.

In der bosniakisch-kroatischen Föderation ist der 9. Jänner freilich ein ganz normaler Arbeitstag. Tatsächlich gibt es Bosnien-Herzegowina als einheitlichen Staat auch mehr als sechs Jahre nach Dayton, mit dem der Krieg (1992-1995) offiziell beendet und das Land in zwei Gebietseinheiten (bosniakisch-kroatische Föderation und bosnische Serbenrepublik) geteilt wurde, de facto nur auf dem Papier. In der Praxis leben die verschiedenen Bevölkerungsgruppen trotz aller Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, allen voran des internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch, zum größten Teil neben- und nicht miteinander.

Stolz auf den "Staat"

Die politische, ökonomische und vor allem soziale Kooperation funktioniert nicht nur zwischen den beiden Entitäten kaum, sondern auch innerhalb der 1994 auf US-Druck gebildeten Föderation gibt es zwischen Moslems und Kroaten des öfteren mehr Unterschiedlich- denn Gemeinsamkeiten. Während sich moslemische Parteien für einen einheitlicheren Staat mit einer stärkeren Zentralregierung einsetzen, beharren kroatische Hardliner auf ihren während des Krieges ausgerufenen und international nicht anerkannten "Staat" und fordern eine politisch-territoriale Umgestaltung des Landes in mindestens drei föderale Einheiten oder in mehrere Kantone. Die mehrheitlich kroatisch bewohnten Gebiete sollen dann nach ihren Vorstellungen in die "Herceg-Bosna" eingegliedert werden.

Die Serben wiederum sind "stolz" auf ihren "Staat". Spekulationen oder gar Forderungen nach Abschaffung dieser Entität werden sofort vehement zurückgewiesen. So hatte Petritsch Mitte Dezember angekündigt, dass die Republika Srpska als politisch-territoriale Gebietseinheit abgeschafft werden könnte. Wichtige Reformen seien nicht durchgeführt worden und die Regierung in Banja Luka selbst würde mit ihrer Obstruktionspolitik diese Entität immer mehr schwächen und delegitimieren.

"Keine Alternative"

"Niemand kann die Republika Srpska abschaffen", war die erste Reaktion in Banja Luka. Die bosnische Serbenrepublik habe "keine Alternative" und ihr Bestehen stehe in direkter Verbindung mit dem Schutz der Interessen des serbischen Volkes in Bosnien-Herzegowina, betonte der Präsident der bosnisch-serbischen Republik, Mirko Sarovic, anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieser Gebietseinheit. Druck von verschiedenen Seiten, die Republika Srpska abzuschaffen, werde es immer geben. Aber damit zu drohen, wenn bestimmte Reformen nicht durchgeführt würden, sei eine "Dummheit", ebenso "die Geschichte, dass die Republika Srpska auf einem Genozid geschaffen wurde und deshalb eliminiert werden muss", so Sarovic.

Die unmittelbaren Nachbarn sollten die Republika Srpska auch anerkennen und nicht als "Apartheid-Staat" charakterisieren, denn nur so könnten auch viele große Probleme in Bosnien-Herzegowina gelöst werden, betonte Sarovic. Sie (die Befürworter eines Gesamtstaates) müssten sich auch "von Träumen über Bosnien-Herzegowina befreien, die nicht möglich sind oder die zumindest die Hälfte des Staates nicht akzeptiert". Der Präsident sprach sich auch vehement gegen die Bildung einer "bosnischen Nation" aus. Dies würde nicht zur Befriedung beitragen und solche Ideen würden ihm "und zumindest zwei Völkern (Serben und Kroaten) in Bosnien-Herzegowina die Haare aufstellen".

In dieser ehemaligen Lieblingsrepublik von Josip Broz Tito (der "Marschall auf Lebenszeit" nannte es "Das kleine Jugoslawien") scheinen auf nationaler Grundlage begründete Unterschiedlichkeiten noch immer eine große Rolle zu spielen. Dies zeigt sich insbesondere auch an der Problematik der Flüchtlingsrückkehr. Auch heute können Tausende während des Krieges vertriebene Menschen in diesem Land nicht frei entscheiden, wo sie leben können, geschweige denn die Forderung aufstellen, in ihre Heime zurückkehren zu wollen. Ethnisches Misstrauen, Angst und zuweilen auch Hass scheinen auch heute noch ausgeprägte Faktoren in Bosnien-Herzegowina zu sein. (APA)

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