Filialleiter zwang angebliche Laden-diebinnen zu Nacktfotos

8. Jänner 2002, 16:12
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Danach kassierte 38-Jähriger noch "Bearbeitungsgebühr"

Verteidiger Werner Tomanek sprach von "Entgleisungen", Richter Andreas Pollack hingegen von einer "Schweinerei": Der ehemalige Filialleiter eines Supermarkts in Wien-Ottakring wurde am Dienstag im Straflandesgericht zu zwei Jahren bedingt verurteilt, weil er in fünf Fällen junge, attraktive Frauen des Ladendiebstahls bezichtigt, sie in sein Büro gebracht und dort derart unter Druck gesetzt hatte, dass sie sich völlig eingeschüchtert nackt fotografieren ließen. Danach kassierte der 38-Jährige noch jeweils 1.000 Schilling (72,7 Euro) "Bearbeitungsgebühr".

"Es war ein neues Erlebnis für mich"

"Meine Handlungsweise kann ich mir heute auch nicht mehr erklären. Durch die Heirat und das Häuslbauen hatte ich finanzielle Schwierigkeiten", führte der Angeklagte ins Treffen. "Die werden durch solche Bilder auch nicht geringer", warf der Richter ein. "Ich habe gern erotische Fotos gemacht", gab darauf der 38-Jährige zu, "es war ein neues Erlebnis für mich."

Der Filialleiter hatte im Supermarkt in Eigenregie eine private Videokamera installiert. Damit dürfte er gezielt nach "geeigneten" Opfern Ausschau gehalten haben. Dabei handelte es sich nicht in allen Fällen tatsächlich um weibliche "Langfinger". "Ich habe nur eine Creme auf meinem Handrücken ausprobiert und die Dose danach zurück gestellt", erzählte etwa eine junge Frau dem Schöffensenat.

"Andere Möglichkeit, Unschuld zu beweisen"

Der 38-Jährige hatte das beobachtet, sprach sie nachher im Kassenbereich forsch auf den angeblichen Diebstahl an und dirigierte sie in sein Büro. "Ich war perplex. Ich war sehr aufgelöst. Ich hab ja wirklich nichts gemacht", berichtete die Zeugin. Der Filialleiter drohte mit der Polizei, außerdem werde er ihren Arbeitgeber verständigen. Die Frau, die damals Aussicht auf einen Karrieresprung hatte, wollte das unbedingt verhindern. Deswegen stieg sie schließlich auf sein Angebot ein, "auf eine andere Möglichkeit, die Unschuld zu beweisen", wie es der Filialleiter ihr gegenüber ausdrückte.

Die Frau musste sich ihrer Oberbekleidung entledigen, wurde mehrmals fotografiert und durfte dann gehen. Ein 17 Jahre altes Mädchen musste sich wenig später ebenfalls bis auf den Slip ausziehen, nachdem der Mann ihr zu verstehen gegeben hatte, er werde die angehende Krankenpflegerin ansonsten in ihrer Schule "verpfeifen". Ein anderes Opfer brachte er sogar dazu, ihn noch ein Mal nach Dienstschluss aufzusuchen, wo er dann ebenfalls seine voyeuristischen Gelüste befriedigte.

"Berwerflichen Beweggründe"

Daneben nahm der Mann in 17 weiteren Fällen älteren Frauen oder männlichen Kunden Geld ab, indem er sie - zum Teil wiederum fälschlicherweise - des Diebstahls beschuldigte und ihnen eine Anzeige oder Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber in Aussicht stellte. Einige schickte er zu diesem Zweck gar zum Bankomaten.

Trotz seiner "besonders verwerflichen Beweggründe" (Staatsanwältin) kam der nunmehrige Tankstellenpächter mit einer bedingten Freiheitsstrafe davon. Ausschlaggebend dafür waren sein umfassendes Geständnis, die bisherige Unbescholtenheit sowie die immerhin viereinhalb Monate, die er in Untersuchungshaft verbracht hatte. Die Anklägerin war mit dem Urteil nicht einverstanden. Sie meldete Berufung an. (APA)

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