Dänemark gibt Dokumente über Nazi-Atombombenpläne frei

9. Jänner 2002, 14:26
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Wissen des Physikers Niels Bohr während des Zweiten Weltkriegs

Kopenhagen - In Kopenhagen sollen bisher geheime Dokumente zum Wissen des dänischen Physikers Niels Bohr (1885-1962) über das deutsche Atomprogramm während des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht werden. Wie der Chef des Bohr-Instituts, Finn Aaserud, am Dienstag in der Zeitung "Information" bestätigte, hat die Familie des Nobelpreisträgers (1922) auch grünes Licht für die Freigabe eines als zentral geltenden Bohr-Briefs an seinen deutschen Kollegen Werner Heisenberg (1901-1976) gegeben, der von 1939 bis 1942 führend am Atomforschungsprogramm Hitlers, dem Uranverein, beteiligt war und 1932 ebenfalls den Physiknobelpreis bekommen hatte.

Bohr galt seinerzeit als weltweit führender Atomphysiker und führte im Herbst 1941 im von Deutschland besetzten Kopenhagen ein Gespräch mit seinem ehemaligen Schüler Heisenberg, dessen nie eindeutig geklärter Inhalt Anlass zu zahlreichen Spekulationen gegeben hatte. Als umstritten gilt vor allem, ob Heisenberg den Dänen für die Mitarbeit an den Atombombenplänen der Nazis gewinnen wollte.

Dem Zeitungsbericht zufolge reagiert die Bohr-Familie mit der Freigabe der Dokumente auf das Theaterstück "Copenhagen" des US-Autors Michael Frayn vom vorvergangenen Jahr. Darin wird die Auffassung vertreten, Heisenberg habe Bohr vor allem vor der Gefahr einer Atombombe warnen und zum gemeinsamen Handeln von Wissenschaftlern auf beiden Seiten dagegen auffordern wollen.

Bohr, der 1943 nach Schweden flüchtete und danach in Großbritannien sowie in den USA für die Alliierten arbeitete, soll sein Wissen dem Stück zufolge nicht an Kontakte bei den Nazi-Gegnern weitergegeben haben. Dieser These will die Familie entgegentreten. Die Dokumente sollen am 5. Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden, obwohl sonst für alle Dokumente aus dem Bohr-Nachlass eine Sperrfrist von 50 Jahren nach dem Tod des Wissenschaftlers gilt. (APA)

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