Gastgewerbe klagt über Trinkgeldverluste

9. Jänner 2002, 12:56
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Appell: Bei Zufriedenheit bis zu zehn Prozent des Rechnungsbetrags geben

Wien - Im Gastgewerbe gibt es "relativ viele Klagen über Trinkgeldverluste", die zu einem erheblichen Teil auch mit dem Euro zusammenhängen, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel Gastgewerbe Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, am Dienstag. Allerdings sei in den vergangenen Jahren generell ein Verfall der Trinkgeldmoral festzustellen. So würden heute im Durchschnitt nur noch 5 bis 7 Prozent der zu bezahlenden Summe als Trinkgeld gegeben statt der bisher üblichen 10 Prozent.

Wesentlicher Gehaltsbestandteil

Ein Drittel bis die Hälfte des Trinkgeld-Rückgangs schreibt Kaske dem Euro zu. "Viele Gäste kennen sich mit dem neuen Geld noch nicht aus und sind daher mit dem Trinkgeld besonders vorsichtig", so der HGPD-Chef: "Manche geben 5 Cent (69 Groschen) und glauben, sie waren großzügig". Er appellierte neuerlich an Verbraucher, bei Zufriedenheit mit der Bedienung bis zu 10 Prozent Trinkgeld zu geben - "egal, ob sie in Schilling, Euro, Rubel oder Dollar zahlen". Gerade im Tourismus und der Gastronomie, wo die Beschäftigten um rund ein Drittel weniger verdienen als im österreichischen Durchschnitt, stelle Trinkgeld einen wesentlichen Gehaltsbestandteil dar.

Beschäftigte in Gastronomie seien die ersten gewesen, "die in den Euro gebissen haben", so Kaske. Generell sei die Umstellung von der Branche "mit Gelassenheit" und "bravourös" bewältigt worden.

Goldene Trinkgeld-Zeiten vorbei

Der generelle Rückgang der Trinkgeldfreudigkeit hänge mit einer Reihe von Faktoren zusammen, darunter unter anderem das verstärkte Angebot von Pauschal- und All Inclusive-Programmen oder bargeldlose Zahlungen per Kreditkarte. Zudem werde einfach öfter auf das Personal "vergessen". Die goldenen Trinkgeld-Zeiten seien offenbar vorbei. Inflationsraten oder Lohnerhöhungen der Gäste würden generell nicht ans Personal weitergegeben, so Kaske. (APA)

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