Himmelblauer Hintergrund

9. Jänner 2002, 11:33
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Reisebüros im Internet: Klick klick und davon, das ist Zukunftsmusik. Die Wirklichkeit im Web ist mühsamer.

In der Theorie sieht es faszinierend aus, die Praxis lässt, wie wir gleich sehen werden, viele Wünsche offen. Familie Urlauber sitzt - Rotwein in der Hand, die Füße auf dem Tisch, von sanfter Musik berieselt - vor dem Internet und surft vor sich hin durch die bunte Urlaubswelt. Die ist einfach hinreißend. Es tun sich homepages auf, die alle Stückeln spielen. Stunden kann man so verbringen - besonders wer das Internet pauschal benutzen kann, profitiert in solchen Momenten. Zwischen weißen Stränden und blauen Fluten, unter wiegenden Palmen umgeben von freundlich lächelnden Eingeborenen, auf dem Rücken von Araberpferden in Südspanien ebenso wie in den Tiefen des Indischen Ozeans - immer ist man irgendwo. Und überall ist es so wunderschön.

Irgendwann allerdings fällt dann auf, dass das alles sehr speziell ist und sehr teuer, eigentlich nur für Leute gedacht, die sehr genau wissen, was sie suchen und was sie buchen wollen, wenn das auf diesem Weg überhaupt möglich ist. Meist sind das reine Schauseiten.

Der große Überblick, vor allem die besonderen Angebote und die so dringend gesuchten Last-Minute-Zuckerln sind nicht dabei. Die unschlagbar günstigen Preise und die einfache Buchung per Mausklick auch noch nicht.

Aber nicht aufgeben, die Welt des World Wide Web ist so verzweigt, während der Weg ins Reisebüro doch immer eher mühsam schien. Und übrigens wurde man dort schon einmal enttäuscht. Man musste lange warten, das Ambiente war ungastlich, und Informationen gingen nicht über das hinaus, was im Prospekt zu lesen war. Dazu Sonderangebote auf losen Zetteln, viele Kunden und wenig Platz.

Also kommt man auf das kleine Heftchen mit den aberhunderten Internet-Adressen zurück und wird bei Reisen/Pauschalanbieter/Restplatzbörsen fündig.

Für das ALBUM haben wir uns vor den Computer gesetzt, kein Glas Rotwein in der Hand, die Füße sehr wohl auf dem Tisch - und der Redaktions-Tag dauerte bis spät in die Nacht. Denn es zieht sich, bis man endlich dort ist, wo man hin wollte, auch in der virtuellen Welt. Abstürze sind quasi programmiert. Niemand weiß, ist man selber schuld oder ist es das System. Ansprache hat man auch keine außer vielleicht das eine oder andere überlastete Call-Center.

Wer Berichte in der Fachpresse liest, dass der Verkauf klassischer Pauschalreisen im Internet längst nicht so flott läuft wie erwartet, wird nur in seinen Vermutungen und Erfahrungen bestätigt. Die Reisebüros brauchen also noch lange keine Angst zu haben. Und in dieser Zeit könnten sie ihr Kunden-Service verbessern, da liegt noch so manches im Argen.

Bei Tickets und Last-Minute-Angeboten immerhin ist die Internet- Route einigermaßen erfolgreich. Aber Österreicher und auch Deutsche - wie eine aktuelle Marktstudie beweist - sträuben sich noch immer, den Urlaub per Mausklick zu bestellen. 40 Prozent würden zwar gerne, aber nur jeder zwanzigste Netzsurfer lässt den Worten auch Taten folgen.

Wir haben einen fiktiven Reisenden erfunden, der einen Badeurlaub für die Familie sucht, einen kurzen Städteflug unter dem Motto "Ein paar Tage irgendwo, nur nicht daheim - und bitte ein preislich unwiderstehliches Last-Minute-Angebot".

Kriterien und Ergebnisse
von Susanne Mitterbauer

Kriterien und Ergebnisse
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