Wieder Kältetote in Osteuropa

9. Jänner 2002, 12:14
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Notstand in Albanien - Thema "Schnee" Aufmacher vieler israelischer Zeitungen

Die Eiseskälte in Osteuropa und in der Türkei gab sich am Dienstag zumindest in Moskau freundlicher, aber weiterhin unerbittlich streng. In der russischen Hauptstadt Moskau fielen die Temperaturen in der Nacht erneut auf bis zu minus 27 Grad, bevor der Morgen mit strahlendem Sonnenschein begann. Vier Menschen erfroren, 32 weitere wurden mit Unterkühlung in Krankenhäuser gebracht. Die Wetterprognose dort: Es wird noch kälter, bis minus 30 Grad.

Insgesamt 77 Kälteopfer in Ungarn

In Ungarn sind allein seit Jahresbeginn 18 Menschen erfroren, berichtete die Budapester Boulevard-Zeitung "Blikk" am Dienstag. Am Montag wurden ein 82-jähriger in Szentgal (Bezirk Veszprem) und ein 53-jähriger in Noszvaj (Bezirk Heves) in ihren ungeheizten Wohnungen tot aufgefunden, teilte die ungarische Polizei mit. Die Gesamtzahl der ungarischen Kälteopfer seit Winterbeginn gab die Zeitung mit 77 an.

Bulgarien

In Bulgarien herrscht trotz ansteigender Temperaturen im Nordosten noch immer der Notstand. In entlegenen Ortschaften sind die Menschen weiterhin ohne Brot, Wasser und Strom. In Griechenland hat sich die Wetterlage nach dem Schneechaos zum Jahreswechsel weitgehend normalisiert.

Norditalien

Sehnsüchtig auf Schnee warten dagegen die Skiorte in Norditalien; dort ist es zwar eisig kalt, doch gab es etwa im Piemont seit 80 Tagen weder Schnee noch Regen. Eine solche Dürre habe die Region seit 1921 nicht mehr erlebt, berichteten die Zeitungen am Dienstag.

Türkei

In der Türkei zieht sich der Winter allmählich nach Zentral- und Ostanatolien zurück. In Istanbul, wo die Schulen noch geschlossen blieben, setzte am Dienstag Tauwetter ein. Erstmals seit Tagen zeigte sich wieder die Sonne. Neue Schneefälle wurden vom Schwarzen Meer und aus Mittelanatolien gemeldet. Landesweit sind am Montag mindestens fünf Menschen erfroren, wie Zeitungen am Dienstag berichteten. Im Osten sind nach wie vor zahlreiche Straßen und rund 3500 Dörfer eingeschneit.

Israel - "Die Schweiz ist hier"

In Israel hat sich die Wetterlage beruhigt. In Jerusalem ließ einsetzendes Tauwetter die bis zu vier Zentimeter Schnee schmelzen, die am Montag gefallen waren. Zufahrtstraßen mussten gesperrt werden. Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" titelte am Dienstag "Die Schweiz ist hier"; das Thema "Schnee" ist Aufmacher in den Zeitungen auch im Hörfunk. Schnee wird am Dienstag noch in Gebieten über 900 Meter erwartet. Im Norden Israels und im Westjordanland blieben einige Schulen geschlossen; dort waren in den Bergen am Montag bis zu 40 Zentimeter Schnee gefallen.

Polen

Für den Kampf gegen die Schneemassen will die polnische Armee den Städten und Gemeinden ihre alten sowjetischen Panzer als "Räumgeräte" verkaufen. Die ausgemusterten Kampfpanzer vom Typ T-55 könnten bei wärmerer Witterung auch gegen Brände und Überschwemmungen eingesetzt werden, warb die zuständige Agentur am Dienstag für das Angebot. Mit einem Preis von 27.000 Zloty (7.743 Euro/106.541 S) seien die neun Meter langen und 36 Tonnen schweren Panzer ein echtes "Schnäppchen", sagte ein Sprecher der Firma.

In der vergangenen Woche hatten Schnee und Eis den Verkehr in Polen weitgehend lahm gelegt. Im Nordosten des Landes waren mehrere hundert Dörfer völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Schneeverwehungen behinderten auch den Flugverkehr und zahlreiche Bahnlinien. Seit Oktober starben in Polen durch die anhaltende Kälte mehr als 220 Menschen.

Notstand in Albanien

Die albanische Regierung hat nach der Kältewelle der vergangenen Tage für den Nordosten des Landes den Notstand ausgerufen. Mehr als 100.000 Menschen seien dort in ihren Dörfern eingeschlossen, teilten die Behörden am Dienstag mit. Seit über einer Woche liefere die Armee Mehl, Speiseöl und Decken in die Gebiete, die von der Versorgung abgeschnitten sind. Am schlimmsten habe es die Regionen Lezha, Shkodra, Kukes und Diber getroffen, wo bis zu minus 15 Grad Celsius gemessen wurden. In einigen Orten seien die Wasserleitungen eingefroren und der Strom ausgefallen. Die im Kosovo stationierten NATO-Truppen stellten Hubschrauber für die Versorgung der Eingeschlossenen zur Verfügung. (APA)

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