Helga Stan-Lotter: Jägerin des Lebens im All

8. Jänner 2002, 12:02
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Biologin fürs Extreme, Ex-Nasa-Mitarbeiterin und Bergsteigerin

"Für mich war's ein Karrieresprung", begründet Helga Stan-Lotter ihren Wechsel vom Ames Research Center der Nasa im sonnigen Kalifornien über Wien nach Salzburg. "Bei der Nasa gibt es nur Forschung, hier aber habe ich auch Studenten, und das ist mir ganz wichtig."

Von Pol zu Pol gespannte Fäden bilden das Grundmuster der 1943 geborenen Erforscherin "extremophilen Lebens". Sie führten von der Kindheit in einer bayrischen Kleinstadt über das Mikrobiologie-Doktorat in München auf Postdoc-Forschungsplätze in Kanada. Von medizinisch orientierter Erforschung von Salmonellen und Antibiotikaresistenzen zur Untersuchung der Energiegewinnung in Bakterien.

Über einen Wettbewerb, bei dem die junge Mikrobiologin mit Forschungen an "Extremophilen", Bakterien unter Extrembedingungen, beeindruckte, kam sie zur Nasa.

Von Lebewesen in Tiefengestein, Meeresschlünden oder Vulkanen war es nur mehr ein Gedankensprung zur Erforschung außerirdischen Lebens. Die Suche nach E.T. geht nämlich davon aus, dass sich von den superharten Bakterien Analogien zu denkbaren kosmischen Touristen ziehen lassen.

Obwohl deren Besuche bisher auf der Erde nicht nachgewiesen werden konnten, halten Astrobiologen ihre Existenz für einigermaßen wahrscheinlich: "Es gibt Milliarden Sonnensysteme wie unseres, und wenn da nur ein kleiner Teil Planeten mit ähnlichen Verhältnissen wie die Erde hätte, so ergäbe das immer noch Millionen lebensfreundlicher Planeten", ist Helga Stan-Lotters Hoffnung.

An der Salzburger Uni betreibt sie bahnbrechende Forschung. Zugute kommen ihr dabei die Salzlagerstätten der Region und die Kooperationsbereitschaft der Salinen Austria. Sie versorgen die Astrobiologin mit Forschungsmaterial: Bohrkerne aus rund 700 Metern Tiefe, mit 250 Millionen Jahre altem Salzgestein, das seit Urzeiten von jedem Kontakt mit der Außenwelt abgeschlossen ist. Darin sucht sie nach Spuren alten Lebens.

Mit atemberaubendem Erfolg. Denn, wie berichtet, gibt es im Salzburger Tiefengestein nicht nur Uraltbakterien, sondern sie sind auch noch lebendig. Sie können Lebensfunktionen nach Bedarf an-und abschalten und wären somit in der Lage, auf einem Kometen durchs All zu reisen.

Für die Bergsteigerin Helga Stan-Lotter, der die heimatlichen bayrischen Gipfel immer zu niedrig waren, enthalten die "unsterblichen" Kleinstlebewesen den Schlüssel zu den Extremfragen, die sie seit der Kindheit beschäftigen: "Die Natur ist so faszinierend, da laufen so komplexe Programme ab und man fragt: Woher kommt das Leben? Ist es auf der Erde enstanden? Wie ist es auf die Erde gekommen?" (DER STANDARD, Printausgabe 08.01.2002)

von STANDARD-Mitarbeiterin Johanna Geissler
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