Streit um Stars und TV-Quoten überschattet American Music Awards

8. Jänner 2002, 12:14
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Verleihung am Mittwoch in Los Angeles

Ein Millionen-Dollar-Streit zwischen den beiden größten Musikpreis-Verleihern der USA um Fernsehauftritte von Pop-Stars überschattet an diesem Mittwoch die 29. Vergabe der American Music Awards (AMA). Nur durch eine gerichtliche Klage gegen die Grammy-Akademie konnten die AMA-Veranstalter erreichen, dass Michael Jackson bei ihrer Show wenigstens zur Entgegennahme seines Sonderpreises "Künstler des Jahrzehnts" erscheint. Auch um andere Stars wurde hinter den Kulissen heftig gerungen.

Die "Entweder-Oder-Wahl"

Ursprünglich sollte Jackson bei der AMA-Verleihung in Los Angeles auch einen Song seines Comeback-Albums "Invincible" vortragen. Nach Angaben von AMA-Produzent Dick Clark wurde er daran jedoch von den Grammy-Veranstaltern gehindert. Clark hatte die Academy of Recording Arts and Sciences, die alljährlich die Grammys vergibt, wegen unfairen Wettbewerbs auf zehn Millionen Dollar (11,17 Mill. Euro/154 Mill. S) verklagt. Nicht nur wegen Jackson. Grammy-Präsident Michael Greene würde seit Jahren bekannte Künstler vor die "Entweder-Oder-Wahl" stellen. "Ich bin mittlerweile stinksauer", sagte Clark Journalisten. "Es blieb nur der Weg vor den Kadi."

Grammy ein besseres Verkaufsargument als AMA

Greene wies die Vorwürfe zurück: "Jacksons Leute haben mich gefragt, ob es okay ist, wenn er sich bei den American Music Awards sehen lässt und ich habe gesagt selbstverständlich ist das okay." Der Künstler könne auftreten, wo er wolle. Jackson wurde für die Grammy-Verleihung Ende Februar mit seinem Song "You Rock My World" in der Kategorie "Bester Pop-Sänger" aufgestellt. Der Sticker "Grammy" auf einer CD-Hülle gilt inzwischen allerdings im Vergleich zu einem AMA-Aufkleber als besseres Verkaufsargument.

Viele Pop-Größen angesagt

Trotz des schwebenden Gerichtsverfahrens haben sich für die alljährlich von TV-Sendern in vielen Ländern übertragene Verleihung der American Music Awards viele Pop-Größen angesagt. Zu den Preisfavoriten gehört die sensationelle Newcomerin des vergangenen Jahres Alicia Keys. Mit ihrem Album "Songs in A Minor" war sie fünf Mal nominiert worden. In den Sparte "Beste Pop-Sängerin" tritt die 20-jährige New Yorker Sängerin und Songschreiberin gegen "Altstars" wie Janet Jackson und Jennifer Lopez an.

Hintergrund des Streits, der über die Jahre eskalierte, sind die Einschaltquoten der TV-Sender. 1993 war die Gala-Nacht der American Music Awards mit rund 35 Millionen Zuschauern noch Spitzenreiter, während die Grammys mit 30 Millionen auf Platz zwei lagen. Im zurückliegenden Jahr hatten die Grammys nach Angaben der Quoten- Ermittlungsfirma Nielsen Media Research 26 Millionen Zuschauer, während die Music Awards nur noch auf 16 Millionen kamen. (APA)

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