Grazer Chirurgen entfernten Kind faustgroßen Kopftumor

8. Jänner 2002, 11:55
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Zehnstündige Operation erfolgreich verlaufen

Graz – Mit einer außergewöhnlichen medizinischen Leistung ging das Jahr 2001 für die Grazer Universitätskliniken zu Ende: Ende Dezember konnte einem neunjährigen albanischen Buben in einer zehnstündigen Operation an der Grazer HNO-Universitätsklinik ein mehr als faustgroßer Tumor im Kopfbereich entfernt werden. Bereits dieser Tage soll der kleine Patient entlassen werden und in die Fürsorge des "Friedensdorfs International" in Oberösterreich zurückkehren, von wo er dann die Heimreise zu seiner Familie nach Albanien antreten wird.

Die rund 800 Kubikzentimeter umfassende Geschwulst hatte sich hinter dem Gesicht des albanischen Buben entwickelt und reichte bis an die Halswirbelsäule und nach oben ausgedehnt an die Schädelbasis. Dabei waren der hintere Nasenraum und der Mundrachen so eingeengt, dass Rezart K. nur mehr durch sein linkes Nasenloch atmen konnte und bei der geringsten Infektion zu ersticken drohte.

Wie Operateur Heinz Stammberger, der Vorstand der Grazer HNO-Klinik, mitteilte, bestand die spezielle Problematik zum einen darin, die Geschwulst ohne Entstellung des Gesichts zu entfernen und gleichzeitig alle delikaten Blutgefäße und Nerven zu schonen und zu erhalten, die in diesem Bereich zwischen Kopf und Körper verlaufen. Dazu gehören die zahlreichen Fasern der Gesichtsnerven, die Nerven für die Stimmband- und Zwerchfellbewegung, für die Schluck- und Kaumuskulatur, die Hauptschlagadern zum Gehirn und andere. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Geschwulst von äußerst harter Konsistenz war, sogar teilweise Knocheninseln aufwies. Dadurch konnte sie während des Eingriffes kaum bewegt oder verlagert werden, was das Erreichen des hinteren und oberen Randes besonders schwierig machte.

Durch einen kombinierten Zugang von außen, vor und unter dem Ohr, sowie durch den Mund gelang jedoch eine vollständige und komplikationsfreie Entfernung. Nach dem Bericht des Operateurs kam es zu keinerlei Nervenausfällen. Sowohl die Funktion der Gesichtsmuskulatur wie auch Atmung und Schlucken seien völlig ungestört und frei.

Durch Initiative des steirischen Gesundheitslandesrates und nach Zusage der Kostenübernahme durch das Land Steiermark (für den Buben bestand ja keine Versicherung in Österreich) wurde das Kind am Nachmittag des zweiten Weihnachtsfeiertages an der Grazer HNO-Klinik aufgenommen, am 28. Dezember operiert und nach vier Tagen wieder aus dem Tiefschlaf geweckt. (APA)

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