An der Kunst laborieren

7. Jänner 2002, 21:27
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"collabor.at" in Wien und im Internet: Ein künstlerisches Experiment in progress

von Doris Krumpl

Wien - Auf dem Spielplatz vergnügen sich junge, (noch) freie Menschen, die später einmal größere Künstler werden wollen. Oder so. Am Web-"Playground" des neuen Kunstprojekts "collabor.at", das via Kurzausstellung, Webauftritt und Kunstjournal von sich reden macht, tummeln sich derzeit rund 60 Kulturproduzent/innen.

Klar, dass sich das witzige Konzept ein Kollektiv ausgedacht hat: Johanna Reiner, Daniela Mischer und Gudrun Ankele (allesamt in den 70ern geborene Kunst- wie Kunstgeschichtestudentinnen) und der Informatiker, Super-8-Filmer und User-Interface-Designer Tom Haberfellner (aufgefallen u. a. durch einen zweiten Platz bei der Ars Elec- tronica 2000 in der Kategorie .net; Mitarbeit bei "telezone").

Was ist das Besondere an collabor.at? Etwas geschraubt formuliert heißt es in den Worten der Collaboranten, eine "Plattform, um individuelle Positionen und kollektive Kontexte zu finden". Also eine Gruppenausstellung von Künstler/innen, Theoretiker/ innen und Musiker/innen. Zur Premiere zum Thema "never been there - von Orten der Sehnsucht + Träume", u. a. mit den Adolf-Loos-Staatspreis-Design-Trägern, dem Duo "bishererfolglos", das ein ferngesteuertes Indoor-Luftschiff beisteuert - eine Form von Andy Warhols "Silver Clouds" mit Kamera-Auge.

Die Beiträge der Produzenten reichen von MP3-Musikfiles über bloße Fotos, Installationsanweisungen bis hin zu Videos und Texten. Auch die vier Initiatoren treten als Künstler bei diesem derzeit noch nicht ganz perfekten Auftritt in Erscheinung. Der Kunstbegriff dehnt sich - und auch ein Computerdesigner freut sich etwa, dass er einmal im erweiterten Kunstkontext aufscheinen kann.

All das ist derzeit zu sehen am "Playground" der Website, aus dem - voraussichtlich bis Ende dieses Monats - das eigentliche journal01 von dem Collabor-Kuratorenquartett herausgefiltert wird. Eine aufwendige Sache, finanziert übrigens über Stipendien, das Bundeskanzleramt und die Stadt Wien. Jeden Dienstag um 18 Uhr lädt das Team zum Jour fixe ins Café Möbel, Wien 7, Burggasse 10.

Vorgesehen ist, dass das jeweilige im Internet neu erschienene Journal mit der (realen) Themenausstellung des folgenden - die übrigens modern collabor.at/~event heißt - gemeinsam präsentiert wird, und zwar im futuregarden/kunstbureau (1060 Wien, Schadekgasse 6-8) oder auch an anderen Orten. Journal02 verhandelt "flex, flux, fladenbrot - Subkulturen und irre Wege aus dem 20. Jahr- hundert", die dritte Ausgabe geht ums "über:leben". Subtitel: "Drauf + dran, Diamanten durch Zimmer zu spucken".

Die Webjournale werden permanent verändert. Jedes "Themenheft" bleibt aber ständig auf der Homepage erhalten, welche gleichzeitig auch "Diskussions- und Archivierungsmedium" sein soll. Damit man immer weiß, wo die Spielsachen herumkugeln.


(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 08.01. 2002)
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