Zuspruch erhalten im veränderten Umfeld

7. Jänner 2002, 21:24
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Noch in den Siebzigern hieß es: lebenslange Treue zu einer Partei - die nun stark veränderte Situation aus Sicht von Politpensionisten und Nachwuchspolitiker

Wien - Als Bruno Kreisky vor 32 Jahren an die Macht kam, wurde das als gewaltige Verschiebung betrachtet. Denn bis in die Siebzigerjahre galt, dass die Österreicher im Wesentlichen ein Leben lang einer Partei treu geblieben sind. Die Parteibindungen waren an Klassenbewusstsein und soziales Milieu gebunden: Kirchgänger wählten schwarz, Arbeiter rot, Nationale blau.

Dass sich trotz dieser engen traditionellen Bindungen 1970 ein Umschwung von einer absoluten ÖVP-Mehrheit zu einer relativen SPÖ-Mehrheit ergeben hat, galt vor allem deshalb als sensationell, weil es zu jener Zeit nur wenige Wechselwähler gegeben hat. Die Parteien hielten ihre Stammwähler mit Programmen, später auch mit glorifizierten Personen (Raab, Kamitz, Kreisky) - und womöglich mit Posten und billigen Wohnungen bei der Stange.

Noch nach der Zwentendorf-Abstimmung 1978 (bei der vor allem junge Wahlberechtigte gegen den "väterlichen" Wunsch Kreiskys nach Eröffnung des AKW im Tullnerfeld erfolgreich rebelliert hatten) war der Anteil der Wechselwähler relativ gering: Langzeitstudien des Zentrums für Angewandte Politikforschung belegen, dass bei der für die SPÖ außerordentlich erfolgreichen Nationalratswahl 1979 gerade erst sieben Prozent Wechselwähler waren. Wechselwähler sind nach Analysen von Fritz Plasser besonders in der mittleren Altersgruppe und der höchsten Bildungsschicht zu finden - ältere Wähler sind eher treu.

Seit Anfang der Neunzigerjahre hat sich der Anteil der Wechselwähler deutlich erhöht, er lag 1995 bei 20, 1999 bei 18 Prozent - weil 1999 viele Wahlberechtigte gar nicht wählen gingen.

(Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2002)

Was sich aus der Sicht der Politpensionisten in den Parteien ändert

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