Wintereinbruch auch im Nahen Osten

7. Jänner 2002, 17:07
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Kältetote in Südosteuropa

Jerusalem/Beirut/Athen/Istanbul/Offenbach - Nach dem Schnee- und Eischaos von Kap Arkona auf Rügen bis Ankara in der Türkei am Wochenende ist der Winter nun auch im Nahen Osten eingezogen. In Jerusalem, im Norden und Süden Israels sowie in den Bergen des Westjordanlandes und Libanons setzte am Montag leichter Schneefall ein.

Minus 30 Grad Celsius

In Südosteuropa lockerte der Winter seinen eisigen Griff, dem am Wochenende in Tschechien bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad drei weitere Menschen zum Opfer gefallen sind. In der Türkei wurden an der Schwarzmeer- und Ägaisküste am Montag insgesamt vier weitere Kälteopfer tot geborgen. Auch in Moskau erfroren wieder zwei Menschen auf der Straße. Außerdem wurden dort in der Nacht auf Montag 25 Menschen mit Unterkühlung in Krankenhäuser gebracht.

Griechenland und Istanbul

In den meisten Regionen Griechenlands zeigte sich nach dem katastrophalen Wintereinbruch der vergangenen Tage wieder die Sonne. Im Zentrum Athens lag am Montag kein Schnee mehr. Der Flughafen der Stadt wurde wieder geöffnet. Besser war auch die Situation auf den Nationalstraßen des Landes.

In Istanbul legte der Winter ebenfalls eine kurze Pause ein, nachdem in den vergangenen drei Tagen 20 Zentimeter Schnee gefallen waren. Autofahren ist dennoch praktisch nur mit Schneeketten möglich. In 25 der 80 türkischen Provinzen fiel wegen des Wetters am Montag die Schule aus. Nach Fernsehberichten sind weiter rund 1000 Dörfer eingeschneit. Am Dienstag wird bereits eine neue Schneefront vom Schwarzen Meer erwartet.

Kältepol Russland

Auch im europäischen Teil Russlands müssen sich die Menschen weiter auf eisige Kälte einstellen. Die Meteorologen kündigten für Moskau Frost von bis minus 30 Grad an. In Tel Aviv musste am Montag wegen heftiger Winde und Regens der israelische Inlandsflughafen geschlossen werden. Im Norden des Landes fiel der Schulunterricht aus, zahlreiche Straßen wurden gesperrt. Auf dem Berg Hermon, dem einzigen Skigebiet für Israelis, sowie in den libanesischen Bergen schneite es.

Bulgarien und Rumänien

Die Donau in Bulgarien und Rumänien war am Montag weiterhin bis zu 70 Prozent mit Eisschollen bedeckt; flussaufwärts vom Donau-Wasserkraftwerk Eisernes Tor II blockierte eine Eismauer den Schiffsverkehr, meldete Radio Bukarest am Montagmittag. Entlegene Dörfer im Nordosten Bulgariens waren noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. In Rumänien und der Slowakei entspannte sich die Lage.

Glatteis in Deutschland

In Deutschland haben Blitzeis und gefrierender Regen bis Montag früh zu mehr als 1.500 Unfällen geführt. Allein in Nordrhein-Westfalen gab es mehr als 60 Verletzte, zudem stürzten zahlreiche Fußgänger auf zum Teil spiegelglatten Bürgersteigen. In Bayern kam eine Autofahrerin bei einem Glatteisunfall ums Leben. Auf dem Main-Donau-Kanal ging bei einer bis zu 70 Zentimeter dicken Eisdecke nichts mehr.

Wegen Hochwassers an der Oder wurde am Montag für einige Abschnitte des Flusses in Brandenburg die Alarmstufe 1 ausgerufen. Auch in Polen stieg der Wasserstand der Oder teilweise auf Werte über dem Alarmpegel. Auf dem nördlichen Abschnitt der Oder sind mittlerweile vier deutsche und zwei polnische Eisbrecher unterwegs. Wegen zu erwartenden Tauwetters in Polen und Tschechien ist nach Einschätzung des Hochwassermeldezentrums mit weiter steigenden Wasserständen zu rechnen. (APA/dpa)

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