Waffenschiff gehört angeblich irakischem Geschäftsmann

7. Jänner 2002, 17:45
1 Posting

Widersprüchliche Angaben des Militärs - Kapitän: PLO-Vertreter bestellte Waffen

Tel Aviv - Das in der vergangenen Woche von der israelischen Marine im Roten Meer mit 50 Tonnen Waffen iranischer Provenienz an Bord aufgebrachte Schiff "Karine-A" ist nach Informationen der israelischen Zeitung "Yediot Aharonot" nicht in palästinensischem Besitz, sondern gehört einem irakischen Geschäftsmann. Wie die Tageszeitung am Montag berichtete, liegen dem Blatt Dokumente vor, die eindeutig beweisen, dass das Schiff am 31. August vergangenen Jahres von dem irakischen Staatsbürger Ali Mohammed Abbas für 400.000 US-Dollar im Libanon gekauft wurde.

"Veraltete" Dokumente?

Der israelische Generalstabschef Shaul Mofaz und die Regierung von Premier Ariel Sharon hatten dagegen erklärt, das mehr als 30 Jahre alte Schiff sei im Besitz der palästinensischen Autonomiebehörde gewesen. Das Schiff wurde Abbas nach Angaben von "Yediot Aharonot" am 2. Oktober in einem sudanesischen Hafen von seinem libanesischen Besitzer überstellt. Die israelische Armee bestand gegenüber dem Blatt darauf, dass die "Karine-A" "vor etwa zwei Monaten von den Palästinensern gekauft" wurde. Möglicherweise seien die der Zeitung vorliegenden Dokumente "veraltet", hieß es.

Widersprüchliche Angaben der Armee machte die Zeitung auch im Zusammenhang mit Äußerungen, wonach sich an Bord des Schiffes ein Mitglied der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah aufgehalten habe. Die israelische Regierung hatte daraus den öffentlichen Schluss gezogen, dass die Hisbollah an dem Waffenkauf für die Palästinenser direkt beteiligt war. Ein Armeesprecher erklärte jedoch inzwischen, es habe keinen Hisbollah-Agenten an Bord des Schiffes gegeben. Eines der Besatzungsmitglieder sei jedoch von der Hisbollah ausgebildet worden. Die libanesische Regierung hatte ihre Genugtuung darüber ausgedrückt, dass die Schiitenorganisation Hisbollah auf der von der EU erstellten Liste von Organisationen mit terroristischen Aktivitäten nicht aufscheint.

Fracht war angeblich für Palästina bestimmt

Der palästinensische Kapitän der "Karine-A", Omar Akawi, hat am Montag einen offiziellen palästinensischen Repräsentanten als Auftraggeber der Waffenladung genannt. Der Kapitän sagte nach Rundfunkangaben in Exklusivinterviews mit den beiden israelischen Fernsehsendern, der palästinensische Vertreter in Griechenland, Abdallah Abdallah, habe die Waffen bestellt. Akawi selbst, der in Palästinenserkreisen als Waffenhändler gilt, arbeitete bis vor einem Jahr in der palästinensischen Marine.

Während des Interviews aus einem Gefängnis in Ashkelon, das am Abend im Fernsehen ausgestrahlt werden sollte, sagte Akawi, man habe nicht damit gerechnet, im Roten Meer gefasst zu werden. Er habe dies eher bei der geplanten Fahrt durch den Suezkanal befürchtet. Akawi bestätigte nach Angaben der TV-Sender, die Fracht im Wert mehrerer Millionen Dollar sei für Palästina bestimmt gewesen. (APA/dpa)

Share if you care.