Berlusconi befürchtet Popularitätsrückgang

7. Jänner 2002, 15:03
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Ruggiero zählte nämlich zu den beliebtesten Ministern

Rom - Nach dem Rücktritt von Außenminister Renato Ruggiero, der am Samstag aus Protest gegen die angebliche antieuropäische Stimmung im römischen Mitte-Rechts-Kabinett zurückgetreten ist, befürchtet der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi einen starken Popularitätsrückgang. Ruggiero war nämlich nach Berlusconi und Vizepremier Gianfranco Fini der beliebteste Minister in der seit Juni amtierenden Regierung. Vor allem im älteren und gebildetsten Segment der Mitte-Rechts-Wählerschaft war der parteiunabhängige Ex-Chef der Welthandelsorganisation (WTO), besonders beliebt.

Auch in den Reihen der Opposition ist Ruggiero populär. Der Rücktritt des Außenministers, der mehrere seiner Kollegen in der Berlusconi-Mannschaft der Europafeindlichkeit beschuldigt hatte, ist daher ein schwerer Imageverlust für den Mailänder TV-Tycoon. Die Demission Ruggieros fällt ohnehin mit einer Phase der sinkenden Popularität für die Regierung zusammen. Seit Oktober sank ihre Beliebtheit in den Umfragen von 54 auf 51 Prozent.

"Regierung muss internen Zusammenhalt stärken"

"Die Regierung muss ihren internen Zusammenhalt stärken und mit neuen Initiativen das Vertrauen der Wählerschaft zurückgewinnen", kommentierten am Montag rechtsorientierte Medien. Vor allem im Bereich Sicherheit und Steuersenkung kann Berlusconi einiges unternehmen, um Sympathien zurückzugewinnen. Laut einer am Montag veröffentlichten Meinungsumfrage der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" fordert die Mehrheit der Italiener einen stärkeren Einsatz der Exekutive in der Bekämpfung der Kriminalität.

Auch die Senkung des Steuerdrucks wäre der Mehrheit der Befragten willkommen. Berlusconi wird allerdings wegen des notwendigen Einsatzes zur Bekämpfung des Budgetdefizits in diesem Jahr kaum Möglichkeit haben, die Steuer zu reduzieren. Spielraum bleibt ihm allerdings bei der Rationalisierung des verworrenen Steuersystems, die von den Italienern seit Jahren mit Nachdruck gefordert wird. (APA)

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