Menschenrechtsaktivisten werfen Peking Foltertode in Tibet vor

7. Jänner 2002, 15:00
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Berichte von hartem Vorgehen nach dem 11. September

Dharamsala - Nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA hat die Volksrepublik China nach Berichten von Menschenrechtsaktivisten den Druck auf Tibet verstärkt. Die Regierung in Peking nehme den internationalen Kampf gegen den Terrorismus als Ausrede für ein hartes Vorgehen gegen Dissidenten, erklärte das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie am Montag in der indischen Stadt Dharamsala, dem Exilort des Dalai Lama. Zehn Tibeter seien im vergangenen Jahr im Gefängnis umgekommen, fünf davon seien zu Tode gefoltert worden, wirft die Organisation den kommunistischen Behörden in China vor.

Die Behörden hätten im vergangenen Jahr 37 Personen aus politischen Gründen inhaftiert, heißt es im Jahresbericht der Organisation. Damit erhöhe sich die Zahl der Gefangenen auf 254. Zugleich verletze China das Recht der Tibeter auf angemessene Unterkunft, Bildung und Gesundheit. Hohe Schulgebühren und zunehmende Betonung auf Chinesisch als Unterrichtssprache bedeuteten, dass für viele Kinder die Bildung mit der Grundschule ende. Chinesische Zuwanderer würden bei der Wasser- und Stromversorgung bevorzugt behandelt.

Chinesische Truppen waren 1950 in Tibet einmarschiert. Am 10. März 1959 begann ein Volksaufstand, der von den Chinesen brutal niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama floh damals mit rund 100.000 Landsleuten nach Indien. Er wirft Peking schwerste Menschenrechtsverstöße vor, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen am laufenden Band, sowie "kulturellen Völkermord" durch massiven Bevölkerungstransfer.

Auch gegen die uigurischen Volksgruppe geht Peking rigoros vor. Viele der moslemischen Uiguren seien im südlichen Teil der Region Xinjiang (Sinkiang) im äußersten Westen Chinas inhaftiert worden, erklärte das Informationszentrum für Ostturkestan in Europa. Die chinesische Regierung hatte nach dem 11. September erklärt, sie erwarte von den USA "Unterstützung und Verständnis" für ihren Kampf gegen die "Separatisten" in Xinjiang, in Tibet und Taiwan. In Xinjiang mit mehrheitlich nicht-chinesischer moslemischer Bevölkerung haben fundamentalistische und irredentistische Strömungen für Instabilität gesorgt. Neben dem Turkvolk der Uiguren leben in Xinjiang auch Kirgisen, Kasachen und Tadschiken - deren Landsleute in der früheren Sowjetunion heute über eigene Staaten verfügen - unter chinesischer Herrschaft. (APA/AP)

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