Euro-Alltag: Öffentliche Telefonzellen können nicht immer mit Euro

7. Jänner 2002, 12:49
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Lokalaugenschein: Schilling-Münzen ausgespuckt, 2-Euro-Münze unverrichteter Dinge behalten

Noch nicht alle öffentlichen Fernsprecher in Wien haben sich schon an ihre neue Kost in Form der frisch glänzender Euro- und Cent-Münzen gewöhnt. Manche der von der Telekom Austria betriebenen Apparate verweigerten im APA-Test in den vergangenen Tagen bereits die Annahme von Schillingen, manche jene von Euro und manche warfen unverrichteter Dinge sowohl Schilling und Euro wieder aus - und machten somit bereit keinen Unterschied mehr zwischen beiden Währungen.

"Rationeller" Automat

Aus seiner Sicht besonders "rationell" agierte ein Automat am Wiener Schottentor, der alle Geldstücke ausspuckte und nur das 2-Euro-Stück als höchsten Münzwert einbehielt. Telefonieren war freilich auch damit nicht möglich.

Keine Anzeichen auf Euro-Umstellung

U-Bahn-Station Schottentor, am fünften Tag des Zeitalter des realen Euro, um die Mittagszeit: Eine Telefonzelle lädt die mitteilungsbedürftige Testperson zur Kontaktanbahnung ein. Hörer ab, der ordnungsgemäße Kontrollton, die Anzeige "MIN 2" am Telefon-Display, die bisher für "Mindesteinwurf zwei Schilling" stand. Nichts deutet darauf hin, dass sich das im Euro-Zeitalter geändert hat. Ein kleiner Aufkleber in der Zelle macht lediglich auf den Umrechnungskurs zwischen beiden Währungen aufmerksam, die beide zulässig seien. Die Automaten könnten zusätzlich zu den Schilling alle Münzwerte ab 10 Cent annehmen, behauptet der Aufkleber.

Keine Schillinge mehr

Die mit Alt- und Neuwährung ausgestattete Testperson wirft also ein 5-Schilling-Stück aus der rechten Hosentasche in den Einwurf. Unverrichteter Dinge landet es lautstark in der Geldausgabeklappe, die Münze kommt zurück. Das selbe (Nicht-)Ergebnis beim zweiten und beim dritten Versuch.

Vielleicht haben die schon umgestellt, kombiniert die Testperson aus aktuellem Anlass und greift daher in die linke Tasche, wo die frischen Euro- und Cent-Münzchen klimpern. Doch auch der bimetallene "Mozart-Einser" bleibt ein Durchlaufposten, daran ändern Wiederholungen nichts.

"Bertha von Suttner" kehrt nicht zurück

In der Anzeige leuchtet noch immer bzw. schon wieder unbeirrt der "2"-er. Sollte diese Zahl etwa wörtlich zu nehmen sein? Schon ist Zwei-Euro-Dame Bertha von Suttner im Schlitz verschwunden, fällt hinunter - aber kommt nicht mehr zurück. Bewährtes Rütteln und Klopfen an die Automatenwand bleiben ebenso ergebnislos wie unschöne Worte der Testperson. Die zwei Euro sind und bleiben verschwunden im silbrig schimmernden Metallkasten. Der Rest ist Schweigen, zumindest beim Telefon.

Nicht erreichbare Servicenummer

Eine halbe Stunde später, der Versuch einer Schadensbereinigung von einem privaten Telefon aus: Die in der Kabine angegebene Servicenummer (11120) führt in eine Endlosschleife: "Der von Ihnen gewünschte Dienst wird unter dieser Nummer nicht angeboten. Bitte rufen Sie Ihren Kundendienst an". Dass dieser vorerst nicht erreichbar ist, sieht auch ein per Telefonbuch ermittelter Call-Center-Mitarbeiter schließlich ein.

Ab ins "humane Beschwerdemanagement"

Neuerliche Versuche ermöglichen nach bereits zehn Minuten Wartezeit am Anrufbeantworter immerhin eine Verbindung ins humane "Beschwerdemanagement": "Es hätte schon gehen müssen", informiert dort eine geduldige Dame mit leiser Stimme. "Es werden aber noch die Schillingbeträge angezeigt, um ältere Benutzer nicht zu verwirren". Noch heute werde ein Serviceteam zum beanstandeten Apparat losgeschickt, erklärt die Betreuerin. Mit etwas Glück könne die Testperson den verschollenen Betrag wieder erhalten. Sicher sei das allerdings nicht.(APA)

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