"Lustlosigkeit unter Männern nimmt zu"

7. Jänner 2002, 11:22
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Argentinien: Wirtschaftskrise schlägt sich auf Egos der "Versorger"

Buenos Aires/Wien - Die andauernde Wirtschaftskrise in Argentinien hat auch Auswirkungen auf das Sexualleben. Fast die Hälfte aller im Rahmen einer Studie der urologischen Abteilung eines Krankenhauses in Buenos Aires befragten Männer räumten ein, dass ihr sexuelles Verlangen in letzter Zeit verändert habe, berichtet die Tageszeitung "La Nacion" (Sonntags-Ausgabe). "Die Lustlosigkeit unter den Männern nimmt heutzutage zu", wird einer der Autoren der Studie, Carlos Nolazco, zitiert. Angesichts der ökonomischen Schwierigkeiten würde das Sexualleben "zweitrangig", so Nolazco.

Verschiebung der Machtverhältnisse in Beziehung

23,82 Prozent der etwa 2.500 Befragten über 50 Jahre räumten bei der Befragung eine Veränderung in der Lust ein, 19,6 Prozent klagten über zu wenig Lust auf Geschlechtsverkehr, während dieses bei 5,16 Prozent überhaupt inexistent war.

Osvaldo Mazza, Leiter der Urologischen Abteilung des Krankenhauses, erklärt dieses Ergebnis mit dem spezifischen Machtverhältnis innerhalb der Partnerschaft. "Meistens hat der Mann die Rolle des Verdieners und Versorgers, auf der er sein Selbstbewusstsein aufbaut. Wenn die Gesellschaft ihn belastet, indem er ihm diese Fähigkeiten (des Arbeitens, Produzierens, Versorgens, Schützens) abspricht, schädigt dies auch seine Fähigkeit sexuell zu agieren."

Nach Ansicht von Mazza ist der Verlust des sexuellen Appetits eine Reaktion auf diese Situation. Sie gehe in vielen Fällen mit einem Rückgang der Hormonproduktion einher. Allerdings sei fehlende Lust nicht gleichzusetzen mit Impotenz, so der Experte.

Argentinien befindet sich seit vier Jahren in einer anhaltenden Rezession. Etwa 40 Prozent der BürgerInnen lebt an oder unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosenrate liegt bei 18 Prozent. Anhaltende Proteste, bei denen 27 Menschen getötet wurden, führten am 20. Dezember zum Rücktritt von Staatspräsident Fernando de la Rua, der das Land mit einem eisernen Sparkurs aus der Schuldenfalle führen wollte. Am Dienstag wählte das Parlament den Peronisten Eduardo Duhalde zum neuen Präsidenten und beendete damit eine zwei Wochen dauernde Staatskrise, in der nach de la Rua drei weitere Präsidenten zurückgetreten waren.
(APA)

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