Weil Frau Süßes nahm, wurde sie geprügelt

6. Jänner 2002, 20:36
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Zwei Fälle jahrelanger Tortur aufgeflogen

Linz - Zwei Fälle, in denen Frauen von ihren Partnern schwer misshandelt und bedroht worden sind, wurden am Wochenende im Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich bekannt.

Dass sie von ihrer Mutter Süßigkeiten für die Kinder annehmen wollte, wurde einer 35-jährigen Hausfrau in Wolfsegg am Hausruck zum Verhängnis. Ihr um vier Jahre älterer Ehemann fühlte sich dadurch "erniedrigt" und verprügelte seine Gattin. Die Frau hatte in vielen Ehejahren verschwiegen, dass sie immer wieder schwer misshandelt worden war. Das Martyrium der Frau wurde bekannt, als sie sich nun der Hausärztin anvertraute.

Sogar einen Schädelbruch hatte die 35-jährige Frau bereits erlitten. Ihr Gatte hatte ihr damals mit dem Besen auf den Kopf geschlagen. Als die Frau Blut erbrach, brachte er sie ins Krankenhaus und zwang sie, einen Sturz vom Silo vorzutäuschen, andernfalls würde er sie mit heißem Öl übergießen.

Die Gendarmen ermitteln noch in einem weiteren Fall: Ein 43-jähriger Frühpensionist soll seiner Lebensgefährtin während einer Auseinandersetzung mehrere Faustschläge ins Gesicht versetzt und sie dann rücklings die Treppe hinuntergestoßen haben. Die 33-Jährige wurde schwer verletzt. Um sie von einer Anzeige abzuhalten, soll er sie unter anderem mit dem Erstechen durch einen Schraubenzieher bedroht haben. Auch einen Nasenbeinbruch dürfte der Lebensgefährte der Frau kurz vor Weihnachten zugefügt haben.

Im europaweiten Durchschnitt wird eine von fünf Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren Partner. In 25 Prozent aller gemeldeten Gewaltverbrechen greift ein Mann seine Partnerin tätlich an. (APA, aw/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 07. 01. 2002)

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