Lebensmittelkontrolle: Die Letzte vorgereiht

6. Jänner 2002, 19:02
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Haupt bestellt "in geringerem Ausmaß" qualifizierte, ehemalige Mitarbeiterin

Wien - Die Letzte wird die Erste sein: Eine Personalentscheidung von Sozialminister Herbert Haupt (FP) unter diesem Motto sorgt für erhebliche Aufregung. Die neue Leiterin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung in Wien soll nämlich die Tierärztin Christine Weber werden - obwohl sie von der Hearingkommission für die Stelle als "in geringerem Ausmaß" qualifiziert an letzter Stelle gereiht wurde.

Haupt entschied sich also nicht für jemanden aus den zwei Gruppen, die "in höchstem Ausmaß" und "in hohem Ausmaß" für geeignet befunden wurden, sondern justament für die letztgereihte Kandidatin Weber. Nun war Weber mehrere Jahre Haupts parlamentarische Mitarbeiterin und arbeitet derzeit bei ihm im Ministerbüro. Zuvor agierte sie als Pressesprecherin von Sozialministerin Elisabeth Sickl. Zudem firmiert Weber als Mitglied der Freiheitlichen Bundeskommunikation - laut Parteihomepage "Schaltzentrale und Kommunikationszentrum der FPÖ".

"Risiko und Skandal", empört sich daher Grünen-Konsumentensprecherin Gabriela Moser im STANDARD-Gespräch über die Bestellung der FP-nahen Veterinärmedizinerin Weber an die Spitze der Lebensmittelkontrollstelle: "Offenbar soll genau für die, die beim Hearing durchgefallen ist, ein Sprungbrett geschaffen werden für die Leitung der neuen Lebensmittelagentur, die im Sommer kommt", fürchtet Moser.

Schon die Ausschreibung des Postens verursachte enormen Unmut. Voraussetzung war ein abgeschlossenes Studium der Veterinärmedizin. Gegen diese "Diskriminierung der Lebensmittelchemiker" protestierte der Grazer Uni-Professor für Lebensmittelchemie und BSE-Experte Werner Pfannhauser brieflich bei Haupt. Erfolglos. Pfannhauser beklagt im STANDARD-Gespräch eine "einseitige Bevorzugung der Veterinäre im hochsensiblen Bereich der Lebensmittelkontrolle".

Ungeachtet dessen wird Minister Haupt (selbst Tierarzt) Tierärztin Weber auf jeden Fall mit der Leitung der Wiener Lebensmitteluntersuchungsanstalt betrauen, bestätigt sein Sprecher Gerald Grosz dem STANDARD: "Frau Weber ist die Bestqualifizierte und eine exzellente Expertin. Es wäre unfair, sie nicht zu nehmen, nur weil sie im politischen Bereich tätig war."

(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 07. 01. 2002)
Von Lisa Nimmervoll
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