Anleihen: Nur minimale Zinsdifferenzen im Euroland

6. Jänner 2002, 19:22
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Österreichische Staatsanleihen oder griechische Euro-Papiere: Anleger stehen vor der Qual der Wahl

Wien - Schon seit drei Jahren wird an der Börse hauptsächlich mit dem Euro gerechnet und gearbeitet. Schilling-Anleihen gibt es natürlich noch und wird es noch einige Zeit geben, aber auch deren Abrechnung bei Kuponzahlungen und Tilgung erfolgt längst in Euro. Gerhard Winzer, der für die Bank Austria den europäischen Bond-Markt beobachtet, meint über die aktuelle Lage am Anleihemarkt: "Die Erwartungen eines schlechten Anleihejahres 2002 wurden schon im November und Dezember vorweggenommen". Derzeit liegt die Rendite der als Maßstab (Benchmark) dienenden deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Restlaufzeit bei knapp fünf Prozent. Und damit um 75 Basispunkte (die zwei Stellen hinter dem Komma) über dem Stand Anfang November. "In zwölf Monaten erwarten wir eine Rendite von 5,25 bis 5,30 Prozent", sagt Winzer. Etwas höher, bei 5,40 Prozent, liegen die Prognosen der RZB. "Staatsanleihen sind im nächsten Jahr noch billiger zu haben", meint man am Stadtpark und rät deshalb den Anlegern sogar von österreichischen Anleihen zugunsten von Euroland-Industrieanleihen ab. "Bei den Industrieanleihen wird sich der derzeit relativ hohe Spread (Zinsabstand) zu den Staatsanleihen eher reduzieren, daher wird die Rendite stabiler bleiben", empfiehlt RZB-Analystin Karin Frauscher.

Teure Sicherheit

Konträr dazu erwarten die Volksbanken fallende Zinsen. "Nicht zuletzt aufgrund der Sicherheit" (Safe-Haven-Effekt) sieht Gerald Kauschitz die Benchmark-Rendite für zehnjährige Anleihen im Jahresverlauf bei 4,4 Prozent. Ein interessanter Trend könnte mit dem Bargeld-Euro in Zusammenhang stehen: Die Spreads zwischen den Renditen der Euro-Staatsanleihen, mit Deutschland als Basis, bisher durch das Rating begründet, haben sich in den letzten Wochen deutlich vermindert.

Könnte die Einstufung der Bonität der Eurostaaten durch die bekannten Ratingagenturen wie Standard & Poors oder Moody's bald an Bedeutung verlieren? "Wenn Griechenland nicht zahlt, wer dann?", drückt es ein Banker deutlich aus. Immerhin lag die Rendite griechischer oder italienischer Anleihen Ende Dezember noch 23 bis 34 Basispunkte über der Benchmark. Was der private Anleger derzeit noch vermisst, ist eine stärkere Transparenz des europäischen Anleihemarktes. Hier könnte sich bald eine Änderung ergeben.

Flut neuer elektronischer Systeme

"Im Bondhandel ist es mittlerweile zu einer Flut von neuen elektronischen Systemen gekommen, nicht zuletzt deshalb, weil die Börsen keine effiziente Handelsplattform zur Verfügung stellen konnten", stellte Josef Ackermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, kürzlich fest. Waren es anfänglich vor allem institutionelle Investoren, die davon profitieren konnten, so werden in Zukunft auch die privaten Anleger profitieren. Dass dabei die Kosten, also die Spannen zwischen Ankaufs-und Verkaufspreis, unter Druck kommen, lässt sich schon jetzt beobachten. Zusehends verändern wird sich auch die Struktur der Emittenten.

"Für die Unternehmen gilt - nicht zuletzt wegen der verschärften Kreditrichtlinien Basel 2 - die Tendenz weg vom Kredit-, hin zum Bond-Markt", erwartet Gerhard Winzer. Umso wichtiger wird die Einstufung solcher Emittenten via Rating, das dem Anleihekäufer eine Einordnung in die Risikoskala ermöglicht. Der europäische Anleihemarkt ist also in einem Umbruch, den Euro und E-Banking schon vor einiger Zeit ausgelöst haben, der aber noch längst nicht zu Ende ist. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2001)

. der Standard hat sich die Angebote angesehen. Das Ergebnis: Die Zinsdifferenzen sind sehr mager geworden. Wer höhere Zinsen will, sollte Unternehmensanleihen in Betracht ziehen.
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