Währungsfonds am Pranger

8. Jänner 2002, 18:53
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Kritiker sehen Mitschuld an Argentinien-Debakel - IWF verneint

Washington - Wie bei allen großen Finanzkrisen steht der Internationale Währungsfonds (IWF) auch beim Thema Argentinien am Pranger.

Die Feststellung von IWF-Direktor Horst Köhler am Rande eines Bankertreffens in Basel, die schwere argentinische Finanzkrise sei "hausgemacht", ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Sie sagen, die vom IWF gebilligten drakonischen und deshalb unhaltbaren Sparmaßnahmen hätten das Debakel erst ausgelöst. Die Institution in Washington, die Ländern bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten mit kurzfristigen Geldern aus der Patsche helfen soll, will von einer Mitschuld an der Krise nichts wissen.

"Ungerecht"

"Den IWF ins Fadenkreuz zu nehmen ist ungerecht", sagte ein hoher IWF-Vertreter in Washington. Das Programm des vor Weihnachten zurückgetretenen Wirtschaftsministers Domingo Cavallo mit der Nulldefizitpolitik, dem Festhalten an der Schuldentilgung und der Währungsbindung an den Dollar sei eine argentinische Erfindung gewesen und keinesfalls vom IWF aufoktroyiert worden. Kritiker sprechen von vorauseilendem Gehorsam, doch der IWF bestreitet das.

Die neue Regierung müsse ihre Vorstellungen zur Haushaltskonsolidierung und zum Schuldenabbau darlegen, dann könne diskutiert werden, welche finanziellen Hilfen nötig seien und wer sie geben könne. Das bestehende Hilfspaket für Argentinien liegt seit 5. Dezember auf Eis. Der IWF verweigerte die Auszahlung einer Kredittranche von 1,3 Mrd. Dollar (1,45 Mrd. Euro/20,0 Mrd. S). Argentinien habe die Auflagen der Nulldefizitpolitik nicht erfüllt, hieß es damals. Die neue Regierung muss mit dem IWF nun ein völlig neues Hilfsprogramm aushandeln. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe 9.1.2002)

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