"Zeit ist jetzt reif für Mischfinanzierungen"

6. Jänner 2002, 19:17
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Australier wollen in Österreich investieren

Bei den bevorstehenden Ausschreibungen zum Ausbau des österreichischen Straßen-und Schienennetzes will auch die australische Macquarie-Gruppe kräftig mitmischen. "Ohne private Financiers kann der Staat Projekte dieser Größenordnung nicht durchziehen", sagte der Statthalter von Macquarie in Wien, Werner Weihs-Raabl, demSTANDARD. "Auch in Österreich ist die Zeit jetzt reif für Mischfinanzierungen."

Die an der Börse in Sydney notierte australische Macquarie Bank hat sich einen Namen gemacht bei der Finanzierung so genannter PPP-Projekte. Die drei P stehen für Public-Private-Partnership. Bereits Mitte der Neunzigerjahre wurde weltweit viel gesprochen über gemischt finanzierte Infrastrukturprojekte. Umgesetzt wurde kaum etwas. Eine Ausnahme war Australien, das in vielfacher Hinsicht Wegbereiter der PPP-Finanzierungen war. Insbesondere bei der Erschließung neuer Bergwerke wurden dort frühzeitig private Geldgeber eingebunden.

Büro im Aufbau

Angesichts der Latte an Großprojekten, die die Bundesregierung zur Aufrechterhaltung der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich für notwendig hält, sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, in Österreich aktiv zu werden, sagte Weihs-Raabl. Ein Büro ist im Aufbau; mit einer Handvoll Mitarbeitern will Weihs-Raabl nun einzelne Projekte evaluieren, die Machbarkeit überprüfen und gemeinsam mit den Behörden Umsetzungsstrategien überlegen. Dabei könne man auf die rund 500 Mitarbeiter zurückgreifen, die sich in der Macquarie Gruppe auf Infrastrukturprojekte spezialisiert haben. Im Finanzministerium habe man bereits vorgesprochen. "Wir sind auf Interesse gestoßen", sagte Weihs-Raabl.

In Österreich hat Macquarie bisher hauptsächlich Cross-Border-Leasingtransaktionen für Unternehmen wie die ÖBB oder die AUA durchgeführt. International kann das Unternehmen eine lange Liste an Referenzprojekten vorweisen - von der Stadtautobahn in Melbourne, Australien, bis zu Straßenprojekten in Kanada, Spanien und Portugal. In Großbritannien seien sogar Polizeistationen südlich von London über Public-Private-Partnership finanziert worden.

Macquarie beteiligt sich an großen Infrastrukturprojekten über Fonds, die teilweise selbst börsenotiert sind. "PPP ist nicht die Lösung für jedes Infrastrukturproblem. Wenn aber die öffentliche Hand bereit ist, Kompetenzen abzugeben, kann man viel machen", sagte Weihs-Raabl. Die Renditevorstellungen hingen davon ab, wie viel Risiko der Staat zu übernehmen bereit sei. "Üblicherweise rechnen wir mit einer Rendite von zwölf bis 20 Prozent", sagte der Macquarie-Mann. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2002)

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