Ost-West-Gefälle bei Arbeitslosigkeit markant

6. Jänner 2002, 18:57
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Bundesländer im Westen profitieren von Tourismusboom

Wien - Der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit im Monat Dezember um 23,3 Prozent auf 277.825 Personen ist insbesondere auf einen Ansturm auf die Arbeitsämter im Osten Österreichs zurückzuführen. Die Bundesländer im Westen konnten mit unterschiedlicher Ausprägung von der bisher sehr gut laufenden Wintersaison profitieren.

Während im Osten Österreichs die vom Arbeitsmarktservice (AMS) verzeichnete Zunahme der jobsuchenden Personen im Berichtszeitraum zwischen 25,8 Prozent (Wien) und 30,8 Prozent (Burgenland) schwankt, bewegt sich der Zuwachs im Westen auf deutlich niedrigerem Niveau. In Vorarlberg nahm die Dezember-Arbeitslosigkeit um 12,5 Prozent zu, in Salzburg um 11,2 Prozent. Tirol konnte als einziges Bundesland sogar einen Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen melden, und zwar um 4,5 Prozent oder 713 Personen auf 15.179. Das ist der erste Rückgang an vorgemerkten Arbeitslosen in Tirol seit März vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote verringerte sich in Tirol im Berichtsmonat um 0,4 Prozentpunkte auf 5,3 (Österreich-Durchschnitt: 6,1) Prozent.

Stadt-Land-Differenz

Am stärksten verringert hat sich die Arbeitslosigkeit mit fast 50 Prozent im Bezirk Reutte, in Landeck (minus 26,9 Prozent) und in Kitzbühel (minus 25,8 Prozent) - nach Angaben des AMS Innsbruck Ausruck einer sehr gut laufenden Wintersaison. In den Städten Kufstein und Innsbruck hingegen registrierte das AMS eine Zunahme der arbeitslos gemeldeten Personen um 16,8 und 11,5 Prozent.

Insgesamt ging die Arbeitslosigkeit im Tiroler Tourismus um 62,5 Prozent zurück. Dieser Rückgang wurde teilweise durch die schlechtere Situation am Bau (41,3 Prozent mehr arbeitslos gemeldete Personen) und in der Sachgütererzeugung (plus 40,5 Prozent) aufgezehrt.

In Ostösterreich war vor allem die katastrophale Lage am Bau für das Anschwellen der Arbeitslosigkeit verantwortlich. Im Burgenland, wo mit 30,8 Prozent der österreichweit größte Zuwachs an jobsuchenden Personen im Dezember verzeichnet wurde, spricht man von "importierter Bauarbeitslosigkeit". Viele Burgenländer seien außerhalb des Bundeslandes am Bau beschäftigt und wegen der schlechten Konjunktur nun als arbeitslos vorgemerkt.

80.000 Arbeitslose in Wien

In Wien wurden gut 80.000 Arbeitslose registriert, um 25,8 Prozent mehr als im Dezember 2000. Zum Teil sei dies auch auf die schwierige Situation für den Städtetourismus im Anschluss an die Terrorattacken vom 11. September zurückzuführen.

Schlimm erwischt hat es auch Niederösterreich. wo 48.241 Personen arbeitslos vorgemerkt waren. Das waren um 11.377 oder 30,7 Prozent mehr als vor einem Jahr und in absoluten Zahlen der höchste Dezemberwert der Zweiten Republik. Kärnten und die Steiermark lagen bei der Zunahme der Arbeitslosigkeit mit 18,1 Prozent und 25,6 Prozent im Mittelfeld. (red, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2001)

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