Passau schlägt Linz

6. Jänner 2002, 19:00
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Deutlich teurere Computer in Österreich - Lokalaugenschein bringt erstaunliche Unterschiede zutage

Linz/Passau - Den kleinsten Preis, den die Handelskette Mediamarkt in der Werbung verspricht, gibt es vermutlich wirklich. Aber nicht in Österreich. Sondern in Deutschland.

Ein Lokalaugenschein bringt erstaunliche Preisunterschiede zutage. So kostet etwa ein Sony-Computer im Passauer Mediamarkt um rund 80 Euro oder 1100 Schilling weniger als im Shop der Kette in Österreich. Bei einem Palm-Organizer beträgt der Unterschied gar 78 Euro - das sind stolze 22 Prozent. Auch bei Produkten des täglichen Bedarfs sind die Unterschiede oft groß.

Verantwortlich für das Preisgefälle ist auch die unterschiedliche Höhe der Steuern. In Österreich zahlen die Konsumenten 20 Prozent, in Deutschland nur 16 Prozent.

Noch kein Hightech-Tourismus

Bisher haben die in den Grenzregionen lebenden Österreicher die Preisvorteile jenseits des Gartenzauns nur zaghaft genutzt - noch waren Preisvergleiche durch die nun weggefallene Wäherungshürde schwieriger. "Nein, einen überdurchschnittlichen Andrang bemerken wir eigentlich noch nicht." Michaela Hopper, stellvertretende Marktleiterin bei Mediamarkt in Passau, hat bisher noch keinen ausufernden Hightech-Tourismus aus Österreich registriert. Auf dem Parkplatz vor dem Elektroniksupermarkt finden sich nur wenige Autos mit Kennzeichen von jenseits des Inns. "Wenn Österreicher kommen, dann eher aus den angrenzenden Bezirken wie Ried und Schärding", erklärt Hopper. "Dort werben wir aber jetzt auch." Der einfachere Preisvergleich könnte aber neue Kunden anlocken, hofft die Angestellte, und Experten geben ihr Recht: Der Euro wird den "Einkaufstourismus" nach Deutschland ordentlich in Schwung bringen.

Teurer Treibstoff

Bei der Shell-Tankstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite kämpft man dagegen mit dem umgekehrten Problem. Der Treibstoff kostet hier um bis zu 18 Cent mehr als im 21 Kilometer entfernten Schärding. Pächter Norbert Gottinger bleibt gelassen. "Aber wenn jemand nach Linz zu Ikea fährt, dann wird er sicher dort volltanken."

"Schwierig könnte es werden, wenn die Preise über einen Euro klettern, das könnte eine psychologische Schranke sein wie früher die zwei Mark", mutmaßt der Pächter. In einem grenznahen österreichischen Supermarkt ist man nicht unbedingt auskunftsfreudig. Darauf angesprochen, dass der Einkauf in Passau um einige Euro billiger kommt, entgegnet eine Mitarbeiterin: "Ich glaube nicht, dass die Leut' extra umifahren." (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2001)

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