Arafat wird Waffenschmuggel vorgeworfen

6. Jänner 2002, 12:57
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Autonomiebehörde bestreitet Kenntnis der Waffenlieferungen

Tel Aviv - Israelische Geheimdienstkreise machen Palästinenserpräsident Yasser Arafat persönlich für den Kauf von 50 Tonnen Waffen verantwortlich, die von der israelischen Armee am Donnerstag auf einem palästinensischen Schiff in internationalen Gewässern entdeckt wurden.

Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Sonntag berichtete, hätten allein die Ausgaben von etwa 15 Millionen US-Dollar (16,6 Mill. Euro/228 Mill. S) für die Waffen die Zustimmung Arafats erfordert. Die Autonomiebehörde hat jede Kenntnis der Waffenlieferung bestritten und Israel beschuldigt, einen Propagandakrieg gegen die Palästinenser zu führen.

Nach Ansicht der Geheimdienstkreise sei Arafats Zustimmung vermutlich auch für die Kontakte mit iranischen Stellen nötig gewesen, von denen die Palästinenser die Waffen, darunter Katjuscha- Raketen mit einer Reichweite von mehr als 20 Kilometern, gekauft haben sollen.

Schiff zwischen dem Horn von Afrika und dem Suez-Kanal gekapert

Das Schiff, die "Karine A", war am Donnerstag von israelischen Kommandoeinheiten in internationalen Gewässern auf halbem Weg zwischen dem Horn von Afrika und dem Suez-Kanal gekapert worden. Nach israelischen Angaben wurde das kleine Schiff von einem palästinensischen Offizier der Wasserschutzpolizei geführt. Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser nannte die Aktion "den bedeutendsten Waffenfang durch die israelische Armee".

Der US-Vermittler Anthony Zinni, der am Wochenende auch mit Arafat zusammentraf, hat den Palästinenserführer inzwischen um eine Erklärung des Zwischenfalls gebeten. Ungeachtet der jüngsten Entwicklung werden an diesem Sonntag palästinensische und israelische Sicherheitsbeamte erstmals seit einem Monat wieder Sicherheitsgespräche führen, an denen Zinni teilnehmen wird. Außerdem wird der EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, erwartet. (APA/dpa)

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