Mittwoch beginnt Monsterprozess gegen Kärntner Herzspezialisten

6. Jänner 2002, 11:13
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57-facher Betrug soll Arzt Millionen gebracht haben

Klagenfurt - Ab Mittwoch steht ein Primararzt aus der Landeshauptstadt wegen des Vorwurfs des schweren gewerbsmäßigen Betrugs in Klagenfurt vor Gericht. Dem 52-jährigen wird von Staatsanwältin Gabriele Lutschounig vorgeworfen, von Patienten unrechtmäßig "Behandlungshonorare" verlangt und teilweise auch kassiert zu haben. Insgesamt 57 solche Fälle mit einem Millionenschaden werden ihm angelastet.

"Erfolgshonorare"

Mehrere Personen sollen vom Herzspezialisten um jeweils mehr als 25.000 Schilling (1.816 Euro) gebracht worden sein. Obwohl er laut Paragraf 43 der Krankenanstaltenordnung als Bediensteter einer gemeinnützigen Krankenanstalt weder von Patienten noch deren Angehörigen eine Entlohnung erhalten oder verlangen darf, soll der seit über einem Jahr suspendierte Primarius gegen Bezahlung von "Behandlungs-" und "Erfolgshonoraren" versprochen haben, neue, lebensrettende Operationen durchzuführen oder persönlich zu operieren.

Vertuschung der angelasteten Zahlungen

Erstmals hörte eine Stationsschwester der allgemeinen chirurgischen Abteilung des LKH Klagenfurt im Jahr 1995 von einem Patienten, er habe 50.000 Schilling (3.633 Euro) "Erfolgshonorar" an den Arzt bezahlt. Als sich diese Angaben mehrten und bis zur LKH-Direktion drangen, wurden diese Wahrnehmungen im Mai 2000 dem Amt der Kärntner Landesregierung als Spitalserhalter gemeldet. Darauf hin wurde Anzeige erstattet.

Zur Vertuschung der angelasteten Zahlungen soll der Primar eine Sekretärin beauftragt haben, Daten von PCs zu löschen. Außerdem habe er laut Anklage "frühere Patienten kontaktiert, um sie zu seinen Gunsten zu beeinflussen." Einen möglichen Grund für die "Sonderhonorare" glaubt die Staatsanwältin zu kennen: "Er erwähnte gegenüber einer Sekretärin, er verkaufe sich zu billig."

Ergebnisse von Hausdurchsuchungen und Kontoöffnungen

Insgesamt 47 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen den Arzt. In 16 Prozesstagen will Lutschounig seine Schuld beweisen. Drei Tage lang werden 30 inländische Zeugen gehört werden. Für 30 weitere aus dem Ausland sind fünf Verhandlungstage vorgesehen. Dazu kommen die Ergebnisse von Hausdurchsuchungen und Kontoöffnungen sowie die Aussage des Buchsachverständigen Johannes Neuner.

Ein Urteil gegen den Arzt, der wegen seiner Erfolge auch in Rumänien, dem Iran und England tätig war und insgesamt etwa 6.000 Operationen durchführte, ist erst am 1. März zu erwarten. Der Chirurg fühlt sich unschuldig und war sich bisher sicher: "Ich bin kein Verbrecher. Viele der Vorwürfe haben sich als Luftblasen erwiesen, alle anderen sollen in den Verhandlungen entkräftet werden. Ich möchte bald wieder operieren." (APA)

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