Trotz Pakistans Versöhnungsgeste weiter Spannungen mit Indien

7. Jänner 2002, 09:25
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Musharraf und Vajpayee wollen nach "Handshake" Dialog aufrecht erhalten

Neu Delhi/Kathmandu - Eine Versöhnungsgeste des pakistanischen Militärmachthabers Pervez Musharraf hat die schweren Spannungen in den Beziehungen zwischen Pakistan und Indien nicht vermindert. Der indische Regierungschef Atal Bahari Vajpayee kritisierte am Sonntag, dass Musharraf den Kaschmirkonflikt zum Thema beim Südasiengipfel SAARC in Nepal gemacht habe. Dort hatte Musharraf Vajpayee am Vortag unter dem Beifall der Delegierten aus sieben Ländern die Hand gereicht. Der britische Premier Tony Blair rief beide Länder dazu auf, den Konflikt im Rahmen eines Dialogs unter Kontrolle zu bringen. Zugleich verurteilte Blair den Anschlag auf das indische Parlament als terroristisch.

Umstrittene Themen während des SAARC-Gipfels angesprochen

Musharraf hatte beim Gipfeltreffen des Südasiatischen Verbands für regionale Zusammenarbeit (SAARC) am Samstag Indien Gespräche über die jüngste Krise angeboten. "Frieden mit Indien ist entscheidend für Frieden in Südasien", sagte Musharraf, bevor er auf Vajpayee zuging und dessen Hand schüttelte. Vajpayee erwiderte, Musharraf müsse der Geste Taten folgen lassen und gegen den Terrorismus vorgehen. Am Sonntag sagte Vajpayee mit Blick auf Musharrafs Rede: "Niemand ist glücklich, dass umstrittene Themen während des SAARC-Gipfels angesprochen wurden."

Indien verlangt von Pakistan die Zerschlagung der extremistischen Moslemgruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed, die ihre Hauptquartiere in Pakistan haben. Indien macht die Gruppen für den Terroranschlag auf das Parlament in Neu Delhi vom 13. Dezember verantwortlich, bei dem 14 Menschen starben. Indien hatte Krieg nicht ausgeschlossen, wenn Pakistan nicht gegen den "grenzübergreifenden" Terrorismus vorgehe. Pakistan spricht dagegen vom "Freiheitskampf" in Kaschmir. Auf der indischen Seite der Grenze kämpfen mehrere Moslemgruppen für den Anschluss der Region an Pakistan.

Der SAARC-Gipfel in Kathmandu, an dem Indien, Pakistan, Nepal, Bhutan, Bangladesch, Sri Lanka und die Malediven teilnahmen, ging am Sonntag mit einer Resolution zum Kampf gegen den Terrorismus zu Ende. Indien betonte, es habe keine formellen Zweiertreffen zwischen Musharraf und Vajpayee oder ihren Außenministern gegeben.

Nun versucht der britische Regierungschef Blair, einen Dialog in Gang zu bringen. "Jeder will, dass die Situation unter Kontrolle gebracht wird und ein wirklicher Dialog beginnen kann", sagte Blair am Sonntag in der südindischen Computermetropole Hyderabad. Für den Abend war ein Treffen mit Vajpayee in Neu Delhi geplant. Am Dienstag will Blair mit Musharraf in Islamabad reden.

Der Anschlag auf das Parlament in Delhi mache ihn ebenso wütend, wie wenn das Parlament in London getroffen worden wäre, sagte Blair. "Terrorismus bleibt Terrorismus, wo auch immer er passiert und wer auch immer die Opfer sind." Seine Gespräche werden dadurch erschwert, dass Indien jede Vermittlung im Kaschmirkonflikt ablehnt. An der Grenze in Kaschmir kam es erneut zu Artilleriegefechten. Nach indischen Angaben wurden am Samstag fünf pakistanische Soldaten getötet.

Seit 1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege geführt

Nahe der Winterhauptstadt Jammu im indischen Teil Kaschmirs wurden nach Angaben der Polizei ein Kind getötet und eine Frau verletzt. Die Schusswechsel seien jedoch nicht so heftig wie am Samstag, sagte ein Polizeisprecher. Beide Seiten beschuldigten einander, die Schießereien begonnen zu haben. Seit 1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir.

In Pakistan nahmen Sicherheitskräfte in der Nacht zum Sonntag 42 weitere mutmaßliche Moslemextremisten fest. Bei den meisten handelt es sich nach Polizeiangaben um Mitglieder der Organisation Jaish-e-Mohammed, der die indische Regierung Beteiligung an dem Selbstmordanschlag auf das Parlament in Neu-Delhi vom 13. Dezember vorwirft. Aus Polizeikreisen verlautete, weitere Festnahmen stünden bevor. Mit der nächtlichen Polizeiaktion im ostpakistanischen Staat Punjab stieg die Zahl der in den vergangenen Tagen festgenommenen mutmaßlichen Moslemextremisten den Angaben zufolge auf mehr als 300. (APA/dpa/AP)

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