Festnahme in Mönchengladbach: Kein Hinweis auf El Kaida-Verbindungen

6. Jänner 2002, 17:50
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Mann bleibt in Polizeigewahrsam - "Erheblicher krimineller Hintergrund"

Mönchengladbach - Die Festnahme eines angeblichen Terroristen in Mönchengladbach hat sich am Sonntag als Fehlalarm entpuppt. Hinweise des deutschen Bundeskriminalamts auf eine Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida waren definitiv falsch, wie Ermittlungsleiter Georg Schubert am Sonntag sagte. Der 27-jährige Libanese war gegen Mitternacht in seinem Hotelzimmer ohne Gegenwehr festgenommen worden. Weil ihm andere Delikte zur Last gelegt werden, bleibt der Libanese aber weiter in Haft.

"Delikt: Urkundenfälschung"

Der Mann, der seit 1992 im Ruhrgebiet lebt, hat nach Angaben der Polizei bereits eine längere Haftstrafe wegen Körperverletzung verbüßt und ist auch wegen Raubes vorbestraft. Er hätte keine Waffen bei sich gehabt, aber mehrere Tausend Euro Bargeld in verschiedenen Währungen und einen gefälschten italienischen Pass. Staatsanwalt Heinz Jürgen Vitz sagte, am Montag wolle er über eine Vorführung beim Haftrichter entscheiden. Neben dem Delikt der Urkundenfälschung könnten dabei auch Drogendelikte "eine Rolle spielen". Sprengstoff oder Rauschgift seien bei dem Mann, der verheiratet ist und ein dreijähriges Kind hat, aber nicht gefunden worden.

"Verbindung zu El Kaida wird ausgeschlossen

Ermittlungsleiter Georg Schubert sagte: "Eine Verbindung zu El Kaida schließen wir definitiv aus." Möglicherweise habe ein Tippgeber aus dem kriminellen Milieu einen schnellen Zugriff der Polizei provozieren wollen. Das Bundeskriminalamt hatte von einer ausländischen Behörde Hinweise erhalten, wonach sich bis zu drei Personen mit El-Kaida-Hintergrund im Dorint-Hotel aufhalten sollten, darunter ein gewisser Mario Bertoldi. Die Polizei in Mönchengladbach erfuhr davon gegen 19.00 Uhr und entschied, den Mann von einem Sondereinsatzkommando festnehmen zu lassen.

"Beamte sind zur Zeit hypersensibel"

Schubert räumte Unbehagen über den nächtlichen Einsatz der Polizei mit rund 100 Beamten ein. Polizei-Einsatzleiter Jürgen Möller rechtfertigte die Razzia mit den Worten: "Die Dienste sind zur Zeit hypersensibel". Es sei eine Gratwanderung, solche Hinweise zu bewerten.

Der als "gepflegte Erscheinung" beschriebene Mann sprach nach Angaben des Hoteldirektors Ben Lanbers gebrochen Deutsch. Er hatte sich am Samstag gegen 14.30 Uhr ohne vorherige Reservierung in dem Vier-Sterne-Hotel in der Innenstadt eingemietet und das Zimmer mit der Nummer 313 bar aus einem großen Bündel mit Hundert-Mark-Scheinen bezahlt. Kurze Zeit später erkundigten sich laut Lambers zwei ausländisch aussehende Männer nach der Ankunft des Manns, wollten aber nicht mit diesem sprechen.

"2. Delikt: Erhebliche Menge Bargeld"

Die Polizeiaktion hatte bereits am frühen Abend begonnen; gegen 19.00 Uhr war das Hotel umstellt worden, in dem sich etwa 50 Gäste befanden. Nach dem Zugriff wurde zudem kurzzeitig ein Hotelflügel geräumt, weil die Polizei möglicherweise eine Bombe im Umkreis vermutete. "Wir haben eine erhebliche Menge an Bargeld bei ihm gefunden", sagte Möller. Die Ermittlungen konzentrierten sich auch darauf, ob der Festgenommene in Mönchengladbach Kontaktpersonen treffen wollte oder getroffen hat. (APA/dpa/Reuters)

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