Das FBI darf in privaten PCs schnüffeln

5. Jänner 2002, 14:27
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Durch "zweifelhafte" Software erlangte Beweise dürfen vor Gericht verwendet werden

Das amerikanische Justizministerium darf kontroverse elektronische Überwachungssysteme einsetzten, hat ein Federal Judge in Newark (New Jersey) geurteilt.

FBI brach ein

In dem Fall, in dessen Mittelpunkt eine Kredithai steht, versuchte das FBI den Kriminellen abzuhören, scheiterte aber, weil dieser seine brisanten E-Mail-Nachrichten stets mit der Verschlüsselungssoftware Pretty Good Privacy (PGP) codierte. Mit einem Gerichtsbeschluss ausgestattet brach das FBI daraufhin in das Büro des Verdächtigten ein und installierte einen so genannten "keystroke sniffer". Mit diesem Programm war es den Beamten möglich, jeden Vorgang, der auf dem Computer stattfand, zu überprüfen. Der U.S. Richter Nicholas Politan urteilte nun, dass es sich dabei um eine legale Aktion gehandelt habe und daher die gewonnenen Daten im Prozess, der erst folgen wird, verwendet werden dürfen.

Verschiedene Meinungen

Der gegnerische Anwalt sieht die Sachlage natürlich anders, seiner Meinung nach wurde das wire tap law und the Fourth Amendment verletzt.

Was bringt die Zukunft?

Nun steht die Befürchtung im Raum, dass der amerikanische Regierung in Zukunft immer die Möglichkeit offen steht, ihre eigenen Bürger zu bespitzeln. Besonders brisant dabei ist, so David Sobel vom Electronic Privacy Information Center, dass keine genauen Fakten über das verwendete Computerprogramm öffentlich gemacht wurden. Sollte der Verdächtigte tatsächlich verurteilt werden, kommt es daher wahrscheinlich zu einer größeren Diskussion über die Rechte, die den Beamten in Zeiten neuer technischer Möglichkeiten zur Verbrechensbekämpfung offen stehen sollen.

"Magic Lantern"

In Zukunft sollen Nachforschungen dieser Art, wenn es nach dem FBI geht, wohl noch einfacher durchgeführt werden können. Erst vor kurzem kam das FBI-Projekt "Magic Lantern" ans Licht der Öffentlichkeit. Auch dabei handelt es sich angeblich um einen "keystroke sniffer", dieser muss allerdings nicht mehr manuell installiert werden, sondern würde per E-Mail in den gewünschten Computer vordringen und sich – einem Computerwurm ähnlich – selbst installieren. (red)

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