Tournee-Grand-Slam: Wird der Mythos entzaubert?

5. Jänner 2002, 16:14
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Laut Toni Innauer hat Sven Hannawald die Chance eine lebende Legende zu werden

Bischofshofen - Drei Siege en suite, 42,9 Punkte Vorsprung. Sven Hannawald kann am Dreikönigstag in Bischofshofen Skisprung-Geschichte schreiben. Der 27-jährige Deutsche steht als insgesamt achter Athlet ausgerechnet bei der Jubiläums-Vierschanzen-Tournee vor dem historischen Vierfachsieg, und da ihm die Paul-Außerleitner-Schanze auch hervorragend liegt, hat er ausgezeichnete Karten in der Hand. Vor drei Jahren wurde er hier hinter Martin Schmitt Großschanzen-Vizeweltmeister und Mannschafts-Weltmeister, 1998 gewann er auch schon ein Tournee-Springen im Pongau.

Zuerst Malysz, jetzt Hannawald

Noch vor wenigen Wochen rätselte der gesamte Weltcup-Tross wie man den übermächtigen Adam Malysz schlagen kann, nun ist Hannawald das Maß der Dinge. "Das ist ja auch das Schöne an unserem Sport. Der Hannawald ist ja jetzt der Gleiche wie vor ein paar Wochen, doch dann kommt auf einmal etwas dazu, was unerklärlich ist und schon ändert sich alles", meinte Cheftrainer Toni Innauer. "Vielleicht ist bei den Olympischen Spielen der Widhölzl so stark, und jeder fragt warum."

Vier Siege bei einer Tournee - daran haben sich Generationen von Skispringern die Zähne ausgebissen. "Das wäre etwas Einzigartiges, denn darüber wird seit 50 Jahren diskutiert. Das ist ein absoluter Mythos! Wenn ihm das gelingt, dann ist er eine lebende Legende", gesteht Innauer. Hannawald habe sich im Zuge der Tournee regelrecht in Trance gesprungen und wirke unantastbar.

Fünf, sechs Springer, die ihm das versalzen wollen

Doch auch wenn alle Vorzeichen für dieses Novum sprechen: Martin Höllwarth und Co. werden da schon noch ein Wörtchen mitreden. "Ich versuche zwei gute Sprünge zu machen, dann werden wir sehen. Es lastet ein Riesendruck auf ihm und es gibt sicher fünf, sechs Springer, die ihm das versalzen möchten", sagte der Gesamtdritte "Hölli". Den Gesamtsieg werde man Hannawald dagegen wohl kaum noch entreißen können, den letzten Tagessieg aber schon.

Und die Österreicher lauern nun schon seit einigen Springen auf ihren ersten Weltcup-Erfolg seit 6. Februar 2000 (Willingen/Andreas Widhölzl). "Ich war in Garmisch schon knapp dran und ich weiß, dass ich mit zwei guten Sprüngen sicher gewinnen kann", verdeutlicht auch Widhölzl. Für ihn sei vor zwei Jahren bei seinem Tourneesieg eigentlich Innsbruck die schwierigste Situation gewesen. "Dem Sven liegt Bischofshofen, ich glaube nicht, dass er sich das noch wegnehmen lässt."

Warten bis es klappt

Innauers Rezept für den ersten Erfolg: Level halten und warten bis es klappt. "Es ist ja eigentlich ein schönes Problem, wenn wir immer knapp am Gewinnen sind. Nach Villach hätte ich viel dafür gegeben. Es geht jetzt darum, jedes Mal wieder in diese Situation zu kommen." Dem Cheftrainer war auch noch die Feststellung wichtig, dass ein Hannawald auch kein Übermensch ist. "Ich glaube nicht, dass er Einer von einem anderem Stern ist. So etwas kann jeden Moment auch einem anderen passieren." (APA)

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