Elektronischer Navigator für Blinde: Absolventin der FH für Industriedesign ausgezeichnet

6. Jänner 2002, 17:01
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Graz - "Es hat mich schon immer sehr fasziniert, wie sich blinde Menschen orientieren", erzählt die frisch gebackene Grazer Industriedesignerin Beate Dörflinger. Als Diplomarbeit an der Fachhochschule Joanneum entwickelte Dörflinger eine technisch und ästhetisch außergewöhnliche Navigationshilfe für Blinde.

Das Gerät, das aus Kopfhörern mit Mikrofon und einer als Gürtel getragenen Tastatur besteht, bietet Sehbehinderten nicht nur einen elektronischen Schrittzähler und Kompass mit aktuell abrufbaren Straßen- und Landkarten, man kann auch damit telefonieren und - durch Sprachbefehle - Nummern verwalten und SMS verschicken.

Unter anderem angeregt durch eine Freundin, die Blindenhunde ausbildet, entwickelte Dörflinger die vielseitigen technischen Funktionen ihres "Electronic Navigation Aid" (ENA) in enger Verbindung mit dem Design. Dörflinger: "Es musste vor allem haptische Qualitäten haben, sollte aber auch nach was ausschauen."

Futuristisch

"Das sieht ja toll aus!", befand auch eine blinde Frau im Grazer Odilien-Institut für Sehbehinderte und Blinde, wo Dörflinger Akzeptanz-Tests mit ihrem "ENA" durchführte. Tatsächlich würde das futuristische Teil sogar das Outfit von Lara Croft noch etwas aufmöbeln.

"Einen Blindenhund oder Stock ersetzen kann das Gerät aber nicht", betont die Erfinderin. Es sei für die Orientierung in der Stadt gedacht, könne aber nicht die unmittelbare Umgebung des Blinden überprüfen. Mit ihrer Navigationshilfe erzielte sie den 2. Platz beim "Mobilitätspreis 2001", der von Verkehrsclub, ÖBB und Infrastrukturministerium ausgeschrieben wird, sowie den 3. Platz des "Future Award" der deutschen Softwarefirma Citrix.

Die 29-jährige Dörflinger absolvierte im vergangenen Sommer den vierjährigen FH-Studiengang Industrial Design mit Auszeichnung. Studiengangleiter Gerhard Heufler: "Ihr soziales Denken war schon immer stark ausgeprägt." So entwarf sie etwa mit einem Kollegen ein Fahrzeug für Entwicklungsländer. Die aufstrebende Designerin, Tochter des Vorstandsvorsitzenden der Leobner Leiterplatten-Hersteller AT & S, Willibald Dörflinger, wird ab März für eine Münchner Firma arbeiten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 1. 2002)

Von Colette M. Schmidt
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