Blutgefäße abschneiden

6. Jänner 2002, 15:00
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Hemmstoffe sollen gegen Krebs und Erblindung helfen

Washington - Zwei Gruppen von US-Forschern haben neue Wirkstoffe identifiziert, die das Wachstum von Blutgefäßen unterbinden. Damit gibt es auch neue Hoffnung, therapeutisch dort eingreifen zu können, wo neue Blutgefäße höchst unerwünscht sind: in Tumoren und in Augen, die am Überwachstum ihrer eigenen Blutgefäße erblinden.

Das Wachstum von Blutgefäßen (Angiogenese) wird hochkomplex gesteuert, etwa von Tumoren, die bestimmte Stoffe in den Körper entlassen, um die Bildung von Metastasen zu verhindern (und das Leben ihres Wirts zu verlängern). Diese brauchen, wie die Primärtumoren auch, ab einer gewissen Größe Blutversorgung und senden deshalb Botenstoffe aus, die die Gefäßbildung anregen. Könnte man das unterbinden (inhibieren), hätte man eine Therapie, die die Tumoren nicht direkt angreift, weshalb diese auch nicht mit Resistenzbildung reagieren könnten wie bei Chemotherapien.

Im Mäuseversuch funktionierte das zunächst auch so gut, dass Forscher 1998 erklärten, in zwei Jahren sei der Krebs besiegt. Aber der Mechanismus ist zu komplex, inzwischen sind über 20 verschiedene Substanzen in klinischen Tests. Nun kommt noch Tumostatin hinzu, bei dem man erstmals auch den Rezeptor kennt, über den es an Zellen andockt und ihnen den Befehl zum Selbstmord (Apoptose) gibt.

Auf den exakten Einblick in den Mechanismus stützen sich die neuen Hoffnungen. Zudem geht Tumostatin spezifisch auf Blutgefäße, während andere Stoffe auch anderes Wachstum unterbinden.

Aber Angiogenese-Inhibitoren sollen nicht nur Krebspatieten helfen, sondern auch den Millionen, die erblinden, weil Blutgefäße ihre Augen zuwuchern - in den entwickelten Ländern ist das die Hauptursache des Erblindens. Hier soll noch ein anderer Wirkstoff helfen, das Enzym TrpRS, das in ersten Versuchen eine hundertprozentige Unterdrückung des Wachstums brachte. Allerdings wurden auch diese Versuche an Mäusen ausgeführt. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 1. 2002)

Vgl. "Science", Vol. 295, S. 140 und "Proceedings of the National Academy of Sciences", Vol. 99, S. 178
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