Mutmaßlicher Vergewaltiger von Siebenjähriger in Bayern gesteht

5. Jänner 2002, 16:00
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Tat hätte möglicherweise verhindert werden können

München/Kirchseeon - Der zweieinhalb Monate nach der Vergewaltigung eines siebenjährigen Mädchens auf einer Münchner Schultoilette gefasste 19-jährige mutmaßliche Täter hat in einer ersten Vernehmung die Tat sowie zwei weitere Vergewaltigungen gestanden. Wie der "Bayerische Rundfunk" am Freitagabend berichtete, deckt sich dies auch mit den Ergebnissen einer DNA-Analyse.

Zielfahnder hatten den aus dem rheinischen Düren stammenden Sven K. am Nachmittag in Kirchseeon bei München in der Wohnung einer Freundin festgenommen. Der Mann verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Stricher in Homosexuellenkreisen. Nach Ansicht der Ermittler hätte ihm möglicherweise schon früher das Handwerk gelegt werden können.

Für Verwunderung sorgte in München, dass nach einer versuchten Vergewaltigung durch den 19-Jährigen im März 2001 in Köln die dortige Polizei keine DNA-Probe in die zentrale Datei des Bundeskriminalamtes gestellt hatte. Dies rechtfertigte aber die Kölner Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt: "Die Probe hätte seinerzeit in Köln normalerweise gar nicht genommen werden dürfen. Wir haben dies nur gemacht, um eventuell dadurch weitere, tatsächliche Vergewaltigungen aufzuklären", sagte Appenrodt. "Als feststand, dass der Mann für keine weiteren derartigen Delikte verantwortlich zu machen war, haben wir auf die Weitergabe verzichtet." Die Rechtslage sei "höchst kompliziert", ergänzte der Kölner Polizeisprecher Werner Schmidt.

Serientäter

Die sieben Jahre alte Anna, wie die Polizei das Mädchen aus Datenschutzgründen nannte, war im vergangenen Oktober auf der Toilette einer katholischen Mädchenschule in der Münchner Innenstadt bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend vergewaltigt worden. Das Mädchen musste wegen seiner schweren Verletzungen in einem Krankenhaus operiert werden. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes. Der Überfall auf die Siebenjährige hatte bei Eltern und Schülern in München große Angst und Verunsicherung ausgelöst. Das Mädchen kann inzwischen wieder zur Schule gehen.

Eine frühere DNA-Analyse hatte ergeben, dass der Peiniger des Mädchens neun Wochen zuvor eine 20 Jahre alte Putzfrau in einer Münchner Klinik vergewaltigt hatte. Nach einer weiteren Gewalttat des 19-Jährigen konnte die Polizei ihn identifizieren: In einer kleinen oberbayerischen Ortschaft bei Seeshaupt am Starnberger See vergewaltigte er in der Silvesternacht eine 56-jährige Frau in der Toilette einer Gaststätte. Er raubte ihr auch die Geldbörse mit 800 Mark (rund 409 Euro).

Das schwer verletzte Opfer der Silvesternacht, das in einer Klinik behandelt wird, erkannte den mutmaßlichen Täter später anhand eines Fotos eindeutig wieder. Gegen ihn erging Haftbefehl, eine internationale Fahndung wurde eingeleitet. Um 14.45 Uhr wurde er dann am Freitag gefasst. Er leistete keinen Widerstand.

Der 19-Jährige war den bisherigen Ermittlungen zufolge in einem Heim aufgewachsen, hat keinen Beruf erlernt und sich in Köln und seit vergangenem Sommer in München sein Geld als Stricher verdient. Er fiel in früheren Jahren in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wiederholt wegen Diebstahlsdelikten auf und musste deswegen auch schon eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren absitzen. (APA)

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