Die Hämmer aus 2001

4. Jänner 2002, 21:41
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Die letzte gemeinsame Bilanz der rund 75 französischen Versteigerer des Hotel Drouot

Der Umsatz der Pariser Versteigerer, derzeit noch als Drouot-Commissaires-Priseurs de Paris vereinigt, belief sich im Jahre 2001 auf rund 9,555 Milliarden öS (694,026 Mio. EURO), was eine leichte Steigerung im Verhältnis zum Vorjahr bedeutet. Der reine Kunstmarktumsatz betrug 8,064 Milliarden öS (586,034 EURO), was eine Steigerung von fünf Prozent ausmacht. Im Hinblick auf die schwierige wirtschaftliche Situation vor, aber besonders nach den Terroranschlägen vom September ist die Drouot-Bilanz umso positiver zu werten.

238 Mal fiel der Hammer bei Summen über eine Million Franc (152.450 EURO) und 21 Mal bei mehr als 1,524 Mio.EURO. Es gab fünfzehn Weltrekorde auf den Gebieten der Handzeichnungen, Altmeistergemälde, dem Jugendstil und Art déco, sowie bei antiquarischen Büchern und Manuskripten. Den höchsten Zuschlag des Jahres, nämlich 45,3 Millionen öS (3,293 Mio. EURO) konnte die Kanzlei Tajan im Juni 2001 für ein einbeiniges Tischchen aus vergoldeter Bronze mit einer Sèvres-Porzellan-Tischplatte von Thomire und Daguerre (um 1788) verbuchen. Jacques und François Tajan, die sich bekanntlich auf den Zusammenschluss mit Phillips vorbereiten, behalten wie immer die erste Stellung unter den Pariser Versteigerern und melden einen Jahresumsatz von 1,341 Milliarden öS (97,454 Mio. EURO).

Tajan erreichte auch einen Weltrekord für einen Art déco-Schreibtisch von Paul Dupré-Lafon, der mit 12,56 Millionen öS (911.837 EURO) im Mai 2001 im Espace Tajan zugeschlagen wurde. Der zweithöchste Jahreszuschlag gab es für ein Gemälde von Eugène Delacroix, Cavalier arabe traversant un gué, bei der Kanzlei Gros-Delettrez mit 38,379 Millionen öS (2,786 Mio. EURO). Für eine Handzeichnung, Lorenzo di Credi zugeschrieben, bewilligte der in Paris lebende Jean-François Baroni (der Bruder von Jean-Marc Baroni, der kürzlich die Londoner Gemäldegalerie Colnaghi an den Münchner Altmeister-Händler Konrad Bernheimer verkaufte) die Rekordsumme von 31,4 Millionen öS (2,28 Mio. EURO). Das erotische Manuskript des Aenas-Silvius Piccolomini (des späteren Papst Pius II.), L'histoire des deux amants, Euryale et Lucrèce wurde an das Getty Museum nach einem Bruttozuschlag von 32,5 Millionen öS (2,364 Mio. EURO) verkauft.

Das teuerste Altmeister-Gemälde, ein Turmbau zu Babel von Lucas van Valckenborch, ersteigerte am 14.12. der Pariser Altmeisterhändler De Jonckheere für 1,385 Mio. EURO. Auf dem im Vorjahr nicht besonders gut bestückten Sektor der Impressionisten verzeichnete die Kanzlei Francis Briest im Juni einen Weltrekord für eine Hafenansicht Marseille (1934) von Paul Signac mit 10,1 Millionen öS (734.534 EURO). Vor dem völligen Auseinanderbrechen des Hôtel Drouot (nach der Marktöffnung) ist dies die letzte gemeinsame Bilanz, die die rund 75 Pariser Versteigerer vorlegen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 1. 2002)

Von
Olga Grimm-Weissert

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