Lichtverschmutzung: Wo ist der Komet?

4. Jänner 2002, 20:34
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Zu viel (Nacht-)Licht hemmt den Durchblick

Padua/Wien - "Als Jesus in der Zeit des König Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen" - bei Matthäus (2, 1-12) ist noch alles klar. Zögen die drei hoffnungsfrohen Herren heute durchs Heilige Land, sie könnten keinen Kometen ausmachen, blieben entweder auf Myrrhe, Gold und Weihrauch sitzen oder huldigten womöglich tatsächlich einem gewissen Brian.

Der Grund für solche astronomischen Kalamitäten ist das, was Fachleute "Lichtverschmutzung" nennen. Vor allem in Europa, Nordamerika und eben auch dem Nahen Osten kann man nachts vor lauter Licht nichts mehr sehen. Der Paduaner Astronom Perantonio Cinzano hat errechnet, dass 99 Prozent der Einwohner der USA und Europas in lichtverschmutzten Gebieten leben, dass sie also durch die artifizielle Aufhellung des Nachthimmels kaum noch Sterne wahrnehmen können.

20 Prozent der Weltbevölkerung (darunter zwei Drittel aller US-Amerikaner und die Hälfte der Europäer) sind nicht in der Lage, die Milchstraße mit freiem Auge zu erkennen. Die Augen von gut einem Drittel der Amerikaner und einem Sechstel der Europäer sind zudem außerstande, sich an "unbeleuchtete" Dunkelheit anzupassen.

Besonders viel "light pollution" gibt es in den Ballungsräumen (siehe Cinzanos Nacht-Europakarte): Die Metropolen London, Madrid oder Paris (weiße Flecken) leuchten mindestens 27-mal so hell wie der normale Nachthimmel, Wien (rot) noch immer neun- bis 27-mal so hell. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 1. 2002)

Von Christoph Prantner

Light Pollution
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